Fruchtwasser gehört ganz selbstverständlich zu jeder Schwangerschaft mit dazu. Oft ist es sogar so selbstverständlich, dass wir im Alltag kaum darüber nachdenken. Dabei leistet das Fruchtwasser Erstaunliches: Es beschützt das Baby und begleitet seine Entwicklung Tag für Tag durch die gesamte Schwangerschaft.
Umso größer ist häufig die Sorge, wenn beim Arzttermin plötzlich von ‘zu viel’ oder ‘zu wenig’ Fruchtwasser die Rede ist. In diesem Beitrag erfährst du in Ruhe und verständlich erklärt, was dahinter stecken kann und warum die Ursache oft ganz harmlos ist.
Bevor wir loslegen, schau’ doch gerne mal in diesem Beitrag vorbei. Dort erklären wir dir, was Fruchtwasser eigentlich ist, wie es produziert wird und was es sonst noch spannendes zu bieten hat.
Zu wenig Fruchtwasser
Von ‘zu wenig’ Fruchtwasser, das auch Oligohydramnion genannt wird, sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn die gemessene Menge unter dem erwarteten Normbereich liegt. Es ist also etwas weniger Fruchtwasser vorhanden, als man es für die Schwangerschaftswoche erwarten würde. In der Praxis wird jedoch auch häufig von ‘grenzwertig vermindert’ gesprochen und genau das macht einen wichtigen Unterschied.
Gerade gegen Ende der Schwangerschaft wird das Fruchtwasser ganz natürlicherweise etwas weniger. Das allein ist noch kein Warnsignal, sondern ein Teil der körperlichen Vorbereitung auf die anstehende Geburt. Außerdem ist jede Schwangerschaft einzigartig und kleine Schwankungen gehören oftmals mit dazu.
Erst wenn die Fruchtwassermenge deutlich reduziert ist oder sich innerhalb kurzer Zeit stark verändert, schauen die Hebamme und der Arzt/die Ärztin etwas genauer hin. Dabei steht aber nie nur ein einzelner Messwert im Mittelpunkt, sondern immer das große Gesamtbild. Sie prüfen deshalb ganz in Ruhe: Wie geht es deinem Baby? Sind seine Herztöne unauffällig? Entwickelt es sich weiterhin gut? Und wie fühlst du dich?
Oft reicht es dann schon aus, die Kontrollen etwas enger zu takten und die Entwicklung aufmerksam zu begleiten. Ein sofortiges Eingreifen ist nur sehr selten notwendig.
Gründe
Eine zu geringe Menge an Fruchtwasser kann ganz verschiedene Gründe haben, einige davon sind:
- Die Plazentafunktion: Oft hängt eine verminderte Fruchtwassermenge mit einer veränderten Funktion der Plazenta zusammen.
- Ein Blasensprung: Manchmal reißt oder springt die Fruchtblase schon vorzeitig, in einigen Fällen sogar unbemerkt. Geht dann über längere Zeit immer wieder ein wenig Fruchtwasser ab, kann das zu einer deutlich verringerten Menge führen.
- Flüssigkeitsmangel bei der Mama, denn die Flüssigkeit aus ihrem Körper ist ein wichtiger Bestandteil des Fruchtwassers. Ist sie also dehydriert, kann das zu einer geringeren Fruchtwassermenge führen.
- Bestimmte Medikamente oder Bluthochdruckerkrankungen bei der Mama.
- Besonderheiten beim Baby, zum Beispiel vorübergehende Anpassungen bei der Nierenfunktion. Wichtig zu wissen: Solche Auffälligkeiten werden meist schon früh entdeckt und daraufhin regelmäßig kontrolliert.
Was bedeutet das konkret?
Wird ein Oligohydramnion festgestellt, hängt das weitere Vorgehen immer von der Schwangerschaftswoche und der Ausprägung ab. In vielen Fällen genügt es, die Kontrolle zu intensivieren, zum Beispiel durch häufigere Ultraschalluntersuchungen oder CTG-Kontrollen. Dabei wird vor allem überprüft, wie gut dein Baby wächst und wie die Durchblutung über die Plazenta funktioniert.
Liegt nur eine leicht verminderte Menge vor, kann es bereits hilfreich sein, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei stärker ausgeprägten Befunden kann, insbesondere bei frühen Schwangerschaftswochen, eine stationäre Überwachung sinnvoll sein. In seltenen Fällen wird eine sogenannte Amnioninfusion durchgeführt, bei der Flüssigkeit in die Fruchthöhle eingebracht wird. Gegen Ende der Schwangerschaft kann, wenn zusätzliche Risikofaktoren hinzukommen, auch eine Einleitung der Geburt erwogen werden. Das ist jedoch immer eine individuelle Entscheidung.
Ist die Fruchtwassermenge deutlich reduziert und über längere Zeit vermindert, kann das die Bewegungsfreiheit des Babys einschränken. In ausgeprägten Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlhaltungen oder bei sehr frühem Auftreten für eine beeinträchtigte Lungenentwicklung. Wichtig ist: Solche Verläufe sind selten und werden durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen meist früh erkannt.
Zu viel Fruchtwasser
Wenn du mehr Fruchtwasser hast als üblich, wird das als Polyhydramnion bezeichnet. Doch genau wie bei einer geringeren Menge gilt auch hier: Die natürliche Spannbreite ist groß und leichte Erhöhungen sind oft unbedenklich. Es gibt verschiedene Gründe, warum etwas mehr Fruchtwasser vorhanden sein kann, dazu gehören zum Beispiel:
- Die ganz individuelle Schluckmenge des Babys
- Vorübergehende Anpassungen des Stoffwechsels
- Ein Schwangerschaftsdiabetes
- Ernsthafte Infektionen, Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen
Auch beim Polyhydramnion richtet sich das weitere Vorgehen nach Ausprägung und Ursache. Häufig werden zusätzliche Ultraschallkontrollen durchgeführt, um Wachstum, kindliches Schlucken und die Plazentafunktion zu überprüfen. Bei sehr ausgeprägten Befunden kann eine Entlastungspunktion (Amniondrainage) erwogen werden. Manchmal kommen auch Medikamente zum Einsatz, die die Fruchtwasserproduktion reduzieren. Solche Maßnahmen sind jedoch nur bei deutlich erhöhten Mengen notwendig.
Eine stark erhöhte Fruchtwassermenge kann das Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung, einen Nabelschnurvorfall oder eine ungünstige Lage des Kindes erhöhen. Auch Wehentätigkeit kann früher einsetzen. Dennoch verlaufen viele Schwangerschaften mit leicht erhöhter Fruchtwassermenge völlig unauffällig.
Wie genau ist die Messung?
Im Laufe der Schwangerschaft wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung auch das Fruchtwasser mit im Blick behalten. Mithilfe des Ultraschalls kann die Menge eingeschätzt werden. Wichtig zu wissen ist aber, dass es sich dabei immer nur um eine Annäherung handelt. Eine Messung auf den Milliliter genau ist nicht möglich und ein gewisser Spielraum bei der Beurteilung gehört immer mit dazu.
Deshalb hat eine einzelne Untersuchung oft nur eine begrenzte Aussagekraft. Viel wichtiger ist der Verlauf: Bleibt die Fruchtwassermenge über die Zeit stabil? Verändert sie sich langsam oder eher plötzlich? Und wie passt sie zu den anderen Befunden? Deine Hebamme und dein Arzt/deine Ärztin betrachten des Fruchtwasser deshalb immer im Zusammenhang mit:
- Dem Wachstum deines Babys
- Den Herztönen deines Babys
- Den Bewegungen deines Babys
- Dem Zustand und dem Befinden von dir als Mama
Wenn bei diesen Untersuchungen etwas auffällt, bedeutet das zunächst vor allem eins: Es wird genauer hingeschaut. Auffälligkeiten können dann in Ruhe überprüft und wenn es medizinisch notwendig ist, auch behandelt werden. Bestehen zusätzliche Risikofaktoren wie Grunderkrankungen, verminderte Kindsbewegungen, Blutungen oder ein vorzeitiger Blasensprung, können weiterführende Maßnahmen erforderlich sein. Dazu gehören zum Beispiel eine stationäre Aufnahme zur Überwachung, medikamentöse Therapie oder je nach Schwangerschaftswoche und Gesamtsituation auch eine geplante Entbindung. Welche Schritte sinnvoll sind, wird immer individuell gemeinsam mit dem geburtshilflichen Team entschieden.
Das Fruchtwasser verändert sich im Laufe der Schwangerschaft ganz natürlich. Die Begriffe Oligohydramnion und Polyhydramnion sind medizinische Diagnosen, welche auf bestimmte Messwerte beruhen. Dennoch bedeutet eine solche Situation nicht automatisch eine Komplikation. Entscheidend ist immer die Ausprägung und der Verlauf. Für dich bedeutet das: Nicht jede Abweichung führt automatisch zu einem Eingriff. Häufig geht es darum, die Schwangerschaft intensiver zu begleiten und aufmerksam zu beobachten. Und genau dafür sind Vorsorgeuntersuchungen da, um frühzeitig zu erkennen, wenn Unterstützung notwendig wird und gleichzeitig Sicherheit zu geben.
Weitere nützliche Infos rund um euer Baby
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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