Der Beikoststart ist für viele Eltern ein aufregender Meilenstein und gleichzeitig oft mit Unsicherheiten verbunden: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und woran erkenne ich, dass mein Baby wirklich bereit für feste Nahrung ist? Die sogenannten Reifezeichen können dabei helfen, die Signale des Babys besser zu verstehen und den Übergang zur Beikost noch entspannter zu gestalten.
In diesem Beitrag zeigen wir dir die wichtigsten Zeichen, an denen du erkennst, dass dein Baby bereit für Beikost ist.
Was ist Beikost eigentlich?
Als Beikost werden alle Lebensmittel bezeichnet, die dein Baby zusätzlich zur Mutter- oder Säuglingsmilch bekommt. Das kann feste, aber auch flüssige Nahrung sein. Sie ergänzt die bisherige Milch und hilft dabei, das Baby Schritt für Schritt an neue Konsistenzen und Geschmäcker zu gewöhnen. Es geht also nicht darum, die Milch von heute auf morgen durch Beikost zu ersetzen. Denn auch nach dem Beikoststart bleibt Mutter- oder Säuglingsmilch zunächst die wichtigste Nahrungsquelle deines Babys. Die Beikost nimmt dann erst nach und nach einen immer größeren Platz im Speiseplan ein.
Ein typisches Beispiel aus dem Beikoststart ist ein Gemüse-Kartoffelbrei zum Mittagessen.
Wann darf ich frühestens mit Beikost starten?
Die Empfehlungen zum idealen Zeitpunkt für den Beikoststart unterscheiden sich leicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung empfehlen, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten voll zu stillen. Beikost sollte also erst ab dem 7. Monat eingeführt werden.
Das Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg empfiehlt hingegen, frühestens ab dem 5. und spätestens ab dem 7. Lebensmonat mit der Beikost zu beginnen.
Eine einheitliche Empfehlung oder einen perfekten Zeitpunkt für den Beikoststart gibt es also nicht. Beachte aber, dass eine zu frühe Einführung die Verdauung deines Babys überfordern könnte. Deshalb solltest du auf keinen Fall vor dem vollendeten 4. Lebensmonat (solange dein Baby jünger als 17 Wochen ist) mit der Beikost starten. Wende dich bei Unsicherheiten auch immer an deine Hebamme oder eine Stillberatung. Nur sie können euch individuell beraten.
Hebammentipp
Gerade im Gespräch mit anderen Eltern kommt es schnell mal zu Vergleichen: Ein anderes Baby isst vielleicht schon begeistert, während deins noch gar kein Interesse an Beikost zeigt. Das kann verunsichern, ist aber überhaupt kein Grund zur Sorge. Jedes Baby entwickelt sich in seinem Tempo und der Beikoststart sollte niemals ein ‘Wettrennen’ sein. Entscheidend ist, dass dein Baby die Reifezeichen zeigt und somit individuell bereit für diesen neuen Schritt ist.
Die 5 Beikostreifezeichen
- Kopfkontrolle: Dein Baby kann sein Köpfchen schon selbst und kontrolliert halten.
- Aufrechter Sitz: Dein Baby kann, mit etwas Unterstützung, stabil aufrecht sitzen (z.B. bei dir auf dem Schoß). Es muss noch nicht komplett frei sitzen können.
- Interesse: Dein Baby zeigt ganz gezielt Interesse am Essen. Das erkennst du daran, dass es euch beim Essen neugierig beobachtet oder vielleicht schon selbst danach greift.
- Verschwundener Zungenstoßreflex: Der Zungenstoßreflex deines Babys lässt nach oder ist schon verschwunden. Er sorgt in den ersten Lebenswochen dafür, dass dein Baby Dinge, die in seinen Mund gelangen, mit der Zunge wieder heraus stößt.
- Hand-Mund-Koordination: Dein Baby kann das Essen greifen und es selbstständig und gezielt zu seinem Mund führen.
Es gibt darüber hinaus auch noch einige andere Anzeichen dafür, dass dein Baby langsam auf dem Weg Richtung Beikostreife ist. Eins davon kann z.B. sein, dass es erste Kaubewegungen macht, selbst wenn noch gar nicht viele Zähnchen vorhanden sind. Wichtig sind aber immer die 5 oben genannten Beikostreifezeichen, die dein Baby auf jeden Fall erfüllen sollte.
Wichtige Info: Nicht erschrecken! Viele Babys würgen zu Beginn der Beikostzeit häufiger. Das ist zunächst ganz normal und ein wichtiger Teil des Lernprozesses. Der Würgereflex schützt dein Baby sogar davor, dass es sich verschluckt. Sollte dein Baby aber wiederholt richtige Verschluck-Episoden zeigen oder es dir einfach ungewöhnlich vorkommen, besprich das immer mit deiner Hebamme oder einer Kinderärztin/einem Kinderarzt.
Hebammentipp
Wenn du dich gerade mit den Beikostreifezeichen beschäftigst, rückt ein spannender neuer Abschnitt immer näher. Und so aufregend die ersten Beikost-Mahlzeiten auch sind: Sie landen nicht immer dort, wo sie eigentlich hingehören. 😉 Gerade in der Anfangszeit können deshalb kleine Helfer, wie unsere Feuchttücher oder die Sanfte Reinigung, wahre Retter im Alltag sein.

Wie viele Reifezeichen sollte mein Baby erfüllen?
Kurz gesagt: Alle! Ihr solltet erst mit der Beikost starten, wenn dein Baby alle der 5 oben genannten Reifezeichen zeigt. Denn erst ihr Zusammenspiel verdeutlicht zuverlässig, dass es bereit für feste(re) Nahrung ist. Wir verstehen, dass die Vorfreude groß ist. Trotzdem lohnt es sich immer noch etwas abzuwarten, wenn noch nicht alle Reifezeichen erfüllt sind. Das Wichtigste ist, dass dein Baby von sich aus zeigt: „Ich bin bereit für diesen neuen Schritt.“
Für dich heißt das: Das Alter deines Babys allein entscheidet nicht über den Beikoststart! Auch wenn es bereits das empfohlene Alter erreicht hat, sollte es zusätzlich alle der 5 Beikostreifezeichen erfüllen. Umgekehrt bedeutet Interesse am Essen allein noch nicht automatisch, dass dein Baby schon bereit für Beikost ist.
Hebammentipp
Der Beikoststart ist für euch und euer Baby eine sehr aufregende Phase. Es lernt ganz neue Geschmäcker kennen und auch seine Verdauung muss sich erst einmal an die Veränderung gewöhnen. Auch der neue Rhythmus beim Essen kann am Anfang ziemlich ungewohnt sein. Umso schöner können kleine Wohlfühlrituale sein: Eine sanfte Bauchmassage mit unserem Bäuchlein Öl kann dabei helfen, Unruhe im Bäuchlein zu lindern und liebevolle Momente der Entspannung zu schaffen.
Nun kennst du die Reifezeichen und weißt, wie du sie als Orientierung für den Beikoststart nutzen kannst. Denk aber immer daran, dass sich dein Baby in seinem ganz eigenen Tempo entwickelt. Es geht nicht darum, so früh wie möglich mit der Beikost zu beginnen. Viel wichtiger ist, dass dein Baby alle Reifezeichen zeigt und somit auch wirklich bereit für dieses neue Abenteuer ist. Scheue auch nicht davor zurück, bei Fragen oder Unsicherheiten bei deiner Hebamme um Unterstützung zu bitten.
Wir wünschen euch einen angenehmen Start in dieses neue Kapitel! 🧡
Tipp: In dieser Podcastfolge sprechen wir nochmal ganz ausführlich über das Thema ‚Beikost‘. Hör‘ gerne mal rein! 🧡
Weitere nützliche Infos rund um euer Baby
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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