Eine Schwangerschaft ist eine Zeit voller Veränderungen: körperlich, hormonell und emotional. Viele Schwangere erschrecken, wenn sie dabei plötzlich Blutungen bemerken. Doch nicht jede Blutung bedeutet gleich eine Gefahr für das Baby. Manchmal steckt etwas völlig Harmloses dahinter, manchmal aber auch ein Zeichen, das ernst genommen werden sollte.
In diesem Beitrag erklären wir dir, welche Ursachen Blutungen in der Schwangerschaft haben können, worauf du achten solltest und wann es wichtig ist, ärztlichen Rat einzuholen.
Hinweis: Blutungen während der Schwangerschaft können vorkommen und sind nicht in jedem Fall mit einer schwerwiegenden Ursache verbunden. Dennoch sollten sie ernst genommen werden, da sie auch auf eine ernste Komplikation hinweisen können. Dieser Beitrag soll dir keine Angst machen: Er soll dir dabei helfen, mögliche Gründe besser zu verstehen und mögliche Warnzeichen schnell zu erkennen.
Lies den Beitrag deshalb in deinem Tempo und mit dem Ziel, mehr Klarheit zu gewinnen.
Wie häufig sind Blutungen in der Schwangerschaft?
Vaginale Blutungen gehören zu den häufigsten Gründen, warum sich Schwangere verunsichert an ihre Hebamme oder ihren Arzt/ihre Ärztin wenden. Tatsächlich sind die Blutungen gar nicht so selten: In etwa einer von fünf Schwangerschaften treten sie irgendwann im Verlauf einmal auf. In vielen Fällen verläuft die Schwangerschaft aber trotzdem völlig normal weiter.
Ob eine Blutung bedenklich ist, hängt stark vom Zeitpunkt der Schwangerschaft, der Menge des Blutes und von Begleitsymptomen ab. Im Folgenden erklären wir dir, welche Arten von Blutungen in den einzelnen Phasen der Schwangerschaft auftreten können:
Blutungen im 1. Trimester
Blutungen im 1. Trimester können viele Ursachen haben und die meisten davon sind grundsätzlich erst einmal kein Grund zur Sorge:
Einnistungsblutung (Nidationsblutung)
Etwa 6–10 Tage nach der Befruchtung kann sich die Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut einnisten. Dabei kann ein kleines Gefäß verletzt werden, was eine leichte, hellrote bis bräunliche Schmierblutung verursacht. Diese ist meist schwach und nach 1-2 Tagen wieder verschwunden. Sie tritt vor dem eigentlichen Ausbleiben der Periode auf und ist völlig unbedenklich.
Kontaktblutung
Sogenannte Kontaktblutungen können entstehen, wenn die empfindlichen Schleimhäute ein wenig einreißen. Das kommt zum Beispiel häufig nach dem Geschlechtsverkehr, einer vaginalen Untersuchung oder wenn der Gebärmutterhals stärker durchblutet ist, vor.
Hormonelle Umstellung
Besonders zu Beginn der Schwangerschaft stellen sich die Hormone im Körper deutlich um. Das kann zu leichten Schmierblutungen führen. Oft treten sie in der Zeit auf, in der die Periode normalerweise einsetzen würde und werden deshalb häufig mit ihr verwechselt.
Warnzeichen: Fehlgeburt oder Eileiterschwangerschaft
Manchmal kann hinter einer Blutung im 1. Trimester aber auch etwas sehr ernstes wie eine Fehlgeburt oder (in sehr seltenen Fällen) eine Eileiterschwangerschaft stecken. Beides sind Situationen, die du immer ärztlich abklären lassen solltest. Warnsignale können sein:
- Eine Blutung setzt ein
- Die Blutung wird stärker
- Die Blutung sieht hellrot und frisch aus
- Die Blutung ist begleitet von (krampfartigen) Schmerzen im Unterbauch
- Schwindel
- Schmerzen in der Schulterregion
Hebammentipp
Auch wenn du eines der Warnsignale bei dir entdeckst und die Sorge groß ist: Atme tief durch und versuche, möglichst ruhig zu bleiben. Wichtig ist jetzt, dass du die Blutung ganz genau beobachtest: Wie ist ihre Farbe, Stärke und Dauer? Mache auch ruhig ein Foto oder eine kurze Notiz. Diese Informationen helfen deinem Arzt/deiner Ärztin, die Situation schnell einzuordnen und dich bestmöglich zu unterstützen.
Blutungen im 2. und 3. Trimester
Nach der 20. SSW sind Blutungen seltener und hängen oft mit Veränderungen an der Plazenta oder dem Gebärmutterhals zusammen. Sie sollten zur Sicherheit immer ärztlich kontrolliert werden:
Plazenta praevia (tiefliegende Plazenta)
Liegt die Plazenta in der Nähe des Muttermundes oder teilweise darüber, kann es passieren, dass sie sich durch das Wachstum der Gebärmutter von ihr ablöst. Dies kann eine hellrote, meist schmerzfreie Blutung verursachen. Wird eine Plazenta praevia festgestellt, ist in der Regel strikte körperliche Schonung und Bettruhe das Wichtigste. In manchen Fällen wird außerdem ein stationärer Aufenthalt empfohlen.
Vorzeitige Ablösung der Plazenta
Es kann passieren, dass sich die Plazenta schon vor der Geburt des Babys ganz oder teilweise von der Gebärmutterwand löst. Dabei handelt es sich um einen Notfall, der sofortige medizinische Hilfe (112) erfordert. Anzeichen dafür können sein:
- Starke, meist schmerzhafte Blutungen
- Der Bauch fühlt sich hart oder angespannt an
- Plötzliche und anhaltende Schmerzen
- Druck im Unterbauch
Wichtig: Manchmal ist die Blutung von außen auch nur leicht wahrnehmbar, weil sich das Blut zwischen der Plazenta und der Gebärmutter sammelt. Auch dann sollte aber sofort gehandelt werden.
Nach der Diagnose erfolgt die Behandlung dann im Krankenhaus, wo Mama und Baby engmaschig überwacht werden. Je nach Schweregrad und Schwangerschaftswoche entscheiden die Ärztinnen und Ärzte dann individuell, wie weiter vorgegangen wird.
Gebärmutterhals oder Muttermund
Manchmal entsteht eine Blutung in der Schwangerschaft auch durch eine Veränderung am Gebärmutterhals. Beispiele dafür sind eine Entzündung oder das Einsetzen der Wehen. Und auch das Ablösen des Schleimpfropfs, der während der Schwangerschaft den Muttermund verschließt, kann eine leichte Blutung erzeugen. Diese wird ‘Zeichnungsblutung’ genannt und ist ein Signal dafür, dass die Geburt langsam losgehen kann.
Wie generell bei Blutungen in der Schwangerschaft gilt auch hier: Bitte zur Sicherheit beim Arzt/der Ärztin abklären lassen.
Blutungen oder vaginaler Ausfluss?
In der Schwangerschaft verändert sich der vaginale Ausfluss durch hormonelle Einflüsse. Er ist oft vermehrt, dünnflüssig und milchig-weiß. Das ist ganz normal. Manchmal kann sich eine kleine Menge Blut beimischen. Dann wirkt der Ausfluss rosafarben oder leicht bräunlich.
Auch wenn es nur wenig ist, es handelt sich dennoch um eine vaginale Blutung, meist in Form einer sogenannten Schmierblutung. Solche leichten Blutungen können zum Beispiel auftreten:
- nach dem Geschlechtsverkehr
- nach einer vaginalen Untersuchung
- bei einer erhöhten Empfindlichkeit des Gebärmutterhalses
Eine stärkere vaginale Blutung zeigt sich dagegen meist als klar erkennbares, frisches oder dunkleres Blut und ist nicht nur als leichte Verfärbung des Ausflusses sichtbar.
Hebammentipp
Wenn du unsicher bist, beobachte die Farbe und Konsistenz genau. Verwende auch gerne eine Slipeinlage, um das Sekret gut zu sehen und besser einschätzen zu können, woher die Verfärbung kommt.
Leichter, geruchloser Ausfluss ist ein normales Zeichen der Schwangerschaft. Bleibe aber immer aufmerksam für folgende Signale:
- Jucken
- Brennen
- Unangenehmer Geruch
- Deutliche rötliche Färbung
- Grünliche oder gelbliche Färbung (das kann ein Hinweis auf einen Pilz oder eine Infektion sein)
Solltest du eines/mehrere von ihnen feststellen, empfehlen wir dir, dies ärztlich abklären zu lassen. So hast du schnell Gewissheit.
Welche Untersuchungen erwarten mich?
Wendest du dich mit einer Blutung an deine Hebamme oder einen Arzt/eine Ärztin, achten sie auf Folgendes, um die Ursache einzuordnen:
- Zeitpunkt der Blutung (Früh- oder Spätschwangerschaft)
- Farbe und Menge des Blutes
- Begleitsymptome wie Schmerzen, Fieber oder Druckgefühl
- letzter Ultraschallbefund (z. B. Sitz der Plazenta, Herzschlag des Babys)
- Muttermund- und Gebärmutterhalsstatus
Dazu wird zur Abklärung in der Regel immer ein Ultraschall und eventuell eine Blutuntersuchung (zur Kontrolle der Hormonwerte und Entzündungszeichen) durchgeführt. Bei Bedarf kann auch eine vaginale Untersuchung erfolgen.
Wann du sofort in die Klinik solltest
Egal in welchem Trimester du dich befindest oder was du als Ursache vermutest: Bei diesen Warnsignalen solltest du immer den Frauenarzt aufsuchen, in die nächste geburtshilfliche Klinik fahren oder den Notruf (112) wählen:
- Die Blutung ist stark (ähnlich oder stärker als die Regelblutung)
- Schmerzen, Krämpfe oder Druckgefühl im Unterbauch
- Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme
Nach einer Blutung: Ruhe und Nachsorge
Je nach Ursache der Blutung empfiehlt der Arzt/die Ärztin oft körperliche Schonung, viel Ruhe und regelmäßige Kontrollen. Bei anhaltenden Blutungen kann zudem ein kurzer Krankenhausaufenthalt sinnvoll sein, um Mama und Baby engmaschig zu überwachen.
Ist die Blutung wieder verschwunden, gilt auch weiterhin: Achte auf die Signale deines Körpers. Dazu gehören z.B. kleine Veränderungen im Ausfluss oder neue Schmerzen oder Druckgefühle. Spreche diese immer einmal mit einer Fachperson ab, denn genau dafür sind Hebammen und Ärzte/Ärztinnen für dich da.
Blutungen in der Schwangerschaft können ganz schön beunruhigend sein, das ist völlig verständlich. In vielen Fällen steckt aber etwas ganz Harmloses dahinter. Handelt es sich doch um eine ernste Situation, ist es wichtig, dass du direkt handelst. Genau für diesen Fall kennst du jetzt aber die Warnsignale und weißt, worauf zu achten ist. Dieses Wissen darf dir Sicherheit geben!
Und ein abschließender Hebammentipp:
Vertraue deinem Gefühl. Wenn du dir Sorgen machst oder einfach das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, suche dir ärztliche Hilfe. Es gilt immer: Lieber einmal zu viel abklären lassen. Denn so bekommst du Sicherheit: Steckt etwas Ernstes dahinter, kann frühzeitig reagiert werden. Und wenn alles unauffällig ist, schenkt dir das umso mehr Ruhe, die dein Körper gerade jetzt am meisten braucht.
Weitere nützliche Infos rund um euer Baby
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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