Je näher der Entbindungstermin rückt, desto öfter kreisen die Gedanken um die bevorstehende Geburt: War das etwa schon eine Geburtswehe? Geht es jetzt wirklich los? Und vor allem: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Kliniktasche zu schnappen und in die Klinik zu fahren?
In diesem Beitrag nehmen wir dich an die Hand und erklären dir genau, wann du dich für die Geburt auf den Weg zu deinem Geburtsort machen solltest.
Wehen
Besonders wenn die Wehen in regelmäßigeren Abständen kommen, steht die Frage nach dem Losfahren schnell im Raum. Gerade beim ersten Kind ist es aber gar nicht so leicht zu beurteilen, ob es sich tatsächlich schon um ‘echte’ Geburtswehen handelt. Oft werden sie mit den sogenannten Senkwehen verwechselt.
Hebammenwissen 💡
Senkwehen können bereits ab dem Ende der 36. SSW auftreten. Sie helfen dann dabei, das Baby tiefer ins Becken rutschen zu lassen. Das ist oft sogar von außen sichtbar, wenn sich der Bauch gegen Ende der Schwangerschaft senkt. Außerdem kannst du es z.B. daran bemerken, dass Beschwerden wie Magendruck oder Kurzatmigkeit weniger werden. Im Gegensatz dazu sind die Geburtswehen ‚muttermundwirksam‘. Das bedeutet, dass sie den Muttermund öffnen – ein klares Zeichen dafür, dass die Geburt nun beginnt.
Ob es sich bei dir um Senk- oder Geburtswehen handelt, kannst du ganz einfach mit dem Badewannentrick überprüfen. Lege dich dazu für 10-15 Minuten in eine Badewanne mit körperwarmem Wasser. Senkwehen verschwinden dadurch in der Regel wieder, Geburtswehen bleiben bestehen oder werden sogar noch regelmäßiger und/oder stärker.
Hebammentipp
Du hast keine Badewanne? Kein Problem! Stattdessen kannst du dich für 10-15 Minuten mit körperwarmem Wasser abduschen.
Hinweis: Wir empfehlen dir, wenn möglich nur mit einer anderen Person in der Nähe in die Badewanne zu gehen. Denn gerade mit dem großen Bauch kann es ganz schön schwierig sein, alleine wieder rauszukommen. Auch falls dein Kreislauf plötzlich Probleme macht, ist es sicherer, wenn eine Begleitperson bei dir ist.
Die Wehenabstände
Eine Faustregel, auf die viele Schwangere früher oder später stoßen, lautet: “Spätestens, wenn die Wehen alle 5 Minuten kommen, solltest du in die Klinik fahren”. Das darfst du als Anhaltspunkt nehmen, es wird allerdings nicht jeder Situation gerecht. Denn manche Frauen fühlen sich auch bei deutlich kürzeren Abständen zuhause noch gut aufgehoben. Andere wünschen sich dagegen auch bei Abständen von mehr als 5 Minuten schon eine professionelle Begleitung an ihrer Seite. Beide Varianten sind vollkommen in Ordnung! Mache dir auch keine Gedanken, wenn du mit größeren Wehenabständen ins Krankenhaus fährst und doch noch mal nach Hause geschickt wirst. Das kann vorkommen, wenn die Wehen wieder schwächer werden. Das ist aber gar nichts schlimmes und definitiv nichts, wofür du dich schämen musst.
Hebammentipp
Viel wichtiger als eine Faustregel ist dein persönliches Bauchgefühl! Sobald du das Gefühl hast, dich zuhause nicht mehr wohl zu fühlen, darfst und solltest du dich auf den Weg in die Klinik machen! Selbst wenn die Wehenabstände noch deutlich größer als 5 Minuten sind, kannst du jederzeit losfahren oder telefonisch beim Kreißsaal um Beratung bitten.
Wann du direkt los in die Klinik fahren solltest
Es gibt allerdings auch Situationen, in denen du dich direkt auf den Weg in die Klinik oder zu deinem Geburtsort machen solltest. Dazu gehören:
Blasensprung
Wenn du Fruchtwasser verlierst, solltest du dich möglichst zeitnah, aber trotzdem in Ruhe, auf den Weg zum Frauenarzt oder in die Klinik machen. Denn wenn Fruchtwasser abgeht, bedeutet das, dass die Fruchtblase an mindestens einer Stelle eröffnet ist. In diesem Fall ist es wichtig zu kontrollieren, dass es Mama und Baby weiterhin gut geht und beispielsweise keine Infektion entsteht.
Wichtig zu wissen ist hier, dass das Fruchtwasser nicht immer in einem Schwall austritt (so, wie man es oft in Filmen sieht 🙂). Tatsächlich gibt es aber auch ganz andere Varianten, zum Beispiel, dass es über mehrere Stunden hinweg langsam und in kleinen Mengen ‘abtröpfelt’. Wenn du also bemerkst, dass deine Unterhose immer wieder feucht oder nass wird, kann das ein Hinweis darauf sein, dass du Fruchtwasser verlierst.
Und keine Sorge: Nach einem Blasensprung liegt dein Baby nicht direkt auf dem Trockenen. Das Fruchtwasser erneuert sich auch während der Schwangerschaft und auch Geburt weiterhin regelmäßig.
Hebammentipp
Auch wenn du dir nicht sicher bist, ob du wirklich Fruchtwasser verlierst, solltest du diesen Verdacht immer bei deiner Hebamme oder direkt in der Klinik abklären lassen. Und noch ein Tipp: Lege, bevor du losgehst, eine Wochenbetteinlage in deine Unterhose. So können die Fachpersonen mit Teststreifen feststellen, ob tatsächlich ein Blasensprung vorliegt.
Falls sich herausstellt, dass doch nur etwas Urin abgegangen ist, musst du dich dafür nicht schämen! Gerade am Ende der Schwangerschaft nimmt das Baby sehr viel Platz im Bauch ein. Dadurch hat die Harnblase weniger Platz und es kommt schnell mal vor, dass sie sich aus Reflex entleert, wenn dein Baby dagegen tritt.
Außerdem wird der Beckenboden durch das Gewicht des Babys oft etwas schwächer. Das kann ebenfalls dazu führen, dass du unkontrolliert Urin verlierst. Wir verstehen, dass das für dich eine unangenehme Situation sein kann. Für Hebammen und dem Personal in der Klinik gehört das aber zum Alltag und es ist überhaupt nichts Schlimmes! Zögere also nicht, den Abgang von Flüssigkeit vor der Geburt kontrollieren zu lassen.
Muss ich mich hinlegen, sobald die Fruchtblase gesprungen ist?
Früher wurde Schwangeren oft empfohlen, sich nach einem Blasensprung direkt hinzulegen bzw. in eine waagerechte Position zu begeben. Nach heutigem Stand ist diese Empfehlung aber nicht mehr allgemein gültig, sofern der Kopf deines Babys schon gut für die Geburt eingestellt ist. Unser Tipp: Frage gegen Ende deiner Schwangerschaft bei deinen Vorsorgeuntersuchungen gerne nach, wie du dich im Falle eines Blasensprungs verhalten sollst. Denn nur deine Hebamme oder dein Arzt/deine Ärztin kennt deine Situation und kann dich dazu individuell und bestmöglich beraten.
Blutungen
Generell gilt: Blutungen in der Schwangerschaft sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Bei diesen Warnsignalen ist es zudem wichtig, dass du direkt den Notruf (112) wählst:
- Die Blutung ist stark (ähnlich oder stärker als die Regelblutung)
- Du hast Schmerzen, Krämpfe oder ein Druckgefühl im Unterbauch
- Es treten Schwindel, Schwäche oder Kreislaufprobleme auf
Hebammentipp
Auch wenn du eines der Warnsignale bei dir entdeckst und die Sorge groß ist: Atme tief durch und versuche, möglichst ruhig zu bleiben. Wichtig ist jetzt, dass du die Blutung ganz genau beobachtest: Wie ist ihre Farbe, Stärke und Dauer? Mache auch ruhig ein Foto oder eine kurze Notiz. Diese Informationen helfen deinem Arzt/deiner Ärztin, die Situation schnell einzuordnen und dich bestmöglich zu unterstützen.
Kindsbewegungen
Dass Babys im Bauch auch mal längere Ruhephasen haben, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Wenn du aber das Gefühl hast, dass sich das Bewegungsmuster deines Babys plötzlich verändert hat, solltest du das zur Sicherheit auch einmal abklären lassen. Das gilt auch, wenn dir am Abend auffällt, dass du dein Baby den Tag über noch überhaupt nicht wahrgenommen hast. Höre und vertraue hier immer auf dein Bauchgefühl.
Hebammentipp
Keine Panik! Ganz oft bewegt sich das Baby dann plötzlich wieder ganz normal, sobald du zur Abklärung bei deiner Hebamme, dem Arzt/der Ärztin oder in der Klinik angekommen bist. Das ist gar kein Problem! Wie generell in der Schwangerschaft gilt auch hier der Grundsatz: Höre auf dein Bauchgefühl und lasse es lieber einmal mehr ärztlich abklären.
Intuition
Manchmal deutet nichts ‘Greifbares’ auf den Beginn der Geburt hin und trotzdem schleicht sich das Gefühl ein, dass es Zeit ist, in die Klinik zu fahren. Höre in solchen Momenten immer auf dein Bauchgefühl! Gerade während der Schwangerschaft ist die eigene Intuition ein wichtiger Begleiter und nie zu unterschätzen. Hast du also keine Wehen, Blutungen o.ä. und trotzdem ein ungutes Bauchgefühl? Dann darfst du das jederzeit von einer Fachperson abklären lassen. Geht die Geburt dann tatsächlich los, war dein Gefühl genau das Richtige. Und wenn es sich als ‘Fehlalarm’ herausstellt, kannst du beruhigt sein und die letzten Tage vor der Geburt in Ruhe genießen.
Hebammentipp
Denk’ an den Fahrtweg! Gerade wenn ihr eine längere Anfahrt habt oder in einer Region mit viel Verkehr wohnt, lohnt es sich meist, etwas früher loszufahren. Kalkuliere die Fahrtzeit deshalb immer mit ein und mache dich im Zweifel schon etwas eher auf den Weg. Solltest du dann doch sehr früh dort sein, kannst du z.B. eine Runde spazieren gehen oder dich einfach nur ausruhen und etwas Kraft tanken.
Jetzt weißt du, bei welchen Anzeichen du dich auf den Weg zu deinem Geburtsort begeben solltest. Das Wichtigste ist immer: Höre und vertraue auf dein Bauchgefühl und fahre, wenn du dir unsicher bist, lieber einmal zu früh los. Und wenn du dir etwas zusätzliche Hilfe oder Orientierung wünschst, darfst du jederzeit im Kreißsaal anrufen und dich von einer Hebamme beraten lassen.
Tipp: In dieser Podcastfolge sprechen wir nochmal ganz ausführlich darüber, wann es Zeit wird, in die Klinik zu fahren. Hör‘ gerne mal rein! 🧡
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ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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Danke für die tollen Tipps. Ich wünschte, ich hätte damals diese Infos gehabt. Aber, jetzt nutze ich diese für meine Tochter, die bald Mama wird.
Ich danke euch von Herzen
Ganz liebe Grüße
Ajda
Danke für deinen lieben Kommentar, wir freuen uns wirklich ganz sehr darüber :).