Mit der Geburt eines Babys beginnt eine Phase voller Freude, Dankbarkeit und großer Liebe für das kleine Wunder. Gleichzeitig gehören aber auch Sorgen oder Unsicherheiten oft mit dazu. Denn während du dein Baby immer besser kennenlernst, verändert sich dein Körper stärker als in fast jeder anderen Zeit deines Lebens. Viele frischgebackene Mamas fragen sich, wann sie ihr altes Gewicht und Körpergefühl zurückbekommen. Manche verlieren die Schwangerschaftspfunde wie von selbst, andere nehmen trotz Stillen und gesunder Ernährung kaum ab oder vielleicht sogar zu. Und alles ist völlig normal.
Es gibt keinen Zeitplan, keinen richtigen oder falschen Verlauf. Dieser Beitrag soll dir helfen, deinen Körper besser zu verstehen und dich darin bestärken, dass dein eigenes Tempo genau das richtige ist.
Was passiert nach der Geburt im Körper?
Hinter dem Thema Gewicht nach der Geburt steckt so viel mehr als die Zahl, die auf deiner Waage steht. Denn auch nach der Schwangerschaft leistet der Körper noch echt Unglaubliches:
- Baby, Fruchtwasser und Plazenta: Allein sie machen zusammen schon etwa 5-7 Kilogramm aus, weshalb der Körper direkt nach der Geburt zunächst deutlich an Gewicht verliert.
- Flüssigkeitsreserven: Sie hat der Körper während der Schwangerschaft aufgebaut und arbeitet nun daran, sie wieder aufzulösen. Das kann sich zum Beispiel durch häufigen Harndrang oder starkes Schwitzen, vor allem nachts, bemerkbar machen.
- Gebärmutter: Einige Tage nach der Geburt wiegt die Gebärmutter noch etwa ein Kilogramm. Dann beginnt sie jedoch mit ihrer Rückbildung und schrumpft innerhalb von sechs Wochen auf ihr ursprüngliches Gewicht von ca. 60-80 Gramm. Das kann Nachwehen auslösen, die dir zeigen, dass der Körper aktiv arbeitet.
- Blutvolumen: Während der Schwangerschaft steigt das Blutvolumen bis zu 40 % an, damit das Baby optimal versorgt werden kann. Nach der Geburt sinkt es dann langsam wieder auf den Normalwert. Dieser Prozess kann mehrere Wochen dauern.
- Hormone: Während das Stillhormon Prolaktin ansteigt, fallen Östrogen und Progesteron nach der Schwangerschaft schnell wieder ab. Und diese Umstellung beeinflusst den Stoffwechsel, den Flüssigkeitshaushalt und auch dein Körpergefühl.
All diese Prozesse sind ein klares Zeichen dafür, dass der Körper langsam wieder in seinen Rhythmus findet. Das kostet eine Menge Geduld, Kraft und Energie und damit auch genügend Nährstoffe. Es ist deshalb kein Wunder, dass deine Gefühlswelt und dein Gewicht in dieser Phase schwanken können.
Hebammentipp
Gib deinem Körper zur Regeneration mindestens so viel Zeit, wie er für die Schwangerschaft gebraucht hat. Neun Monate ist er über sich hinaus gewachsen und mindestens genau so lange darf er benötigen, um sich wieder zurückzubilden.
So unterschiedlich kann das Gewicht sein
Ein häufiger Irrglaube ist, dass die Kilos von ganz alleine ‘purzeln’, wenn man sein Kind stillt. Zwar verbraucht der Körper dabei tatsächlich viel Energie (rund 500 bis 700 Kalorien an einem Tag), allerdings führt dieser höhere Bedarf nicht automatisch zum Gewichtsverlust. Denn wie sich das Gewicht nach der Geburt entwickelt, hängt von ganz vielen weiteren Faktoren ab:
- Dem individuellen Stoffwechsel
- Der Hormonlage
- Der Ernährung
- Der Bewegung
- Dem Schlaf(mangel)
- Dem Stress
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Körper mancher Mamas aktiv Fettreserven zurückhält. Das ist ein ganz natürlicher Schutzmechanismus, um die Milchproduktion auch bei unregelmäßigen Mahlzeiten zu sichern. Gesteuert wird er besonders von dem Stillhormon Prolaktin.
Wenn dein Gewicht nach der Geburt also gar nicht oder nur langsam sinkt, vielleicht sogar unerwartet ansteigt, ist das kein Zeichen dafür, dass du etwas ‘falsch’ machst. Im Gegenteil: Dein Körper vollbringt gerade Höchstleistungen und braucht einfach etwas Zeit, um in sein neues Gleichgewicht zu finden. Sobald sich das Stillen, dein Schlaf und dein Alltag normalisieren, pendelt sich demnach auch der Stoffwechsel meist nach und nach wieder ein.
Warum eine Diät keine gute Lösung ist
Im Wochenbett und der Stillzeit braucht dein Körper vor allem eins: liebevolle Unterstützung. Strenge Diäten, Detox-Kuren oder das Auslassen von Mahlzeiten setzen ihn nur zusätzlich unter Druck und sind in dieser Phase weder zielführend noch notwendig.
Dein Körper leistet gerade Enormens. Er heilt, findet hormonell wieder ins Gleichgewicht und stellt gleichzeitig genug Energie für die Milchproduktion bereit. All das kostet Kraft. Wenn du dich jetzt stark einschränkst, kann das nicht nur zu einem Nährstoffmangel und Erschöpfung führen, sondern auch das Stillen negativ beeinflussen. Denn wenn du deutlich zu wenig Kalorien pro Tag zu dir nimmst und dadurch viel Gewicht verlierst, können sich Schadstoffe aus dem Fettgewebe lösen und der Schadstoffgehalt in der Muttermilch ansteigen. Auch besteht das Risiko, dass sich die Milchmenge durch eine strikte Diät verringert.
Zudem bringt Kalorienzählen oft mehr Stress als Nutzen und kann den Stoffwechsel sogar ausbremsen. Verzichte deshalb unbedingt auf Diäten und folgende Tipps möchten wir dir gerne noch mit auf den Weg geben:
Was wirklich helfen kann
Die Ernährung
Um deinem Körper Stabilität und ausreichend Energie zu geben, sind regelmäßige und ausgewogene Mahlzeiten sehr wichtig. Setze dabei am besten auf nährstoffreiches Essen, das heißt frisches Gemüse, Vollkornprodukte, gute Fette, Eiweiß und genügend Flüssigkeit. Auch kleine Snacks zwischendurch sind definitiv erlaubt und oft sogar sehr wichtig, um beim Stillen immer genug Energie zu haben.
Sanfte Bewegung
Sanfte Bewegung kann nach der Geburt unheimlich gut tun: Sie regt den Kreislauf an, unterstützt den Stoffwechsel und begleitet deinen Körper bei der Rückbildung. Wichtig ist nur, dass du alles behutsam angehst und immer auf dein individuelles Gefühl hörst. Ein Spaziergang mit dem Kinderwagen, erste Rückbildungsübungen oder leichtes Yoga sind am Anfang völlig ausreichend. Sie stärken die Muskulatur auf sanfte Art und Weise.
Als Orientierung gilt: Nach einer Spontangeburt kannst du meist nach sechs bis acht Wochen mit gezielter Rückbildungsgymnastik beginnen. Nach einem Kaiserschnitt wird dagegen eine etwas längere Pause von etwa 8 bis 12 Wochen empfohlen, je nachdem, wie gut deine Narbe heilt und was deine Hebamme oder deine Ärzt/in dir individuell rät.
Wenn du wieder mit Bewegung startest, empfehlen wir dir, dich nur langsam und Schritt für Schritt zu steigern. Achte darauf, dass du dich jederzeit stabil fühlst, keine Schmerzen hast und dein Beckenboden auch ausreichend Kraft zurückgewonnen hat. Verzichte weiterhin auf Springen, Rennen und klassische Bauchübungen (z.B. Situps oder Crunches), solange du ein Druckgefühl im Becken oder die Rektusdiastase noch vorhanden ist.
Hebammentipp
Bewegung soll dir Kraft schenken, nicht nehmen. Wenn du dich nach einer Einheit also statt erfrischt und belebt erschöpft fühlst, war es wahrscheinlich zu viel. Dein Körper gibt dir ganz klare Signale und zeigt dir, wann er bereit für den nächsten Schritt ist. Hör auf ihn, gib dir Zeit und achte genau so auf gezielte Pausen und Erholung.
Körpergefühl & Selbstbild
Oft wird das Bild vermittelt, Frauen müssten nach der Geburt zügig wieder einen bestimmten ‘After-Baby-Body’ erreichen. Doch das Wochenbett ist keine Zeit der Vergleiche. Es ist eine Zeit für Heilung, Ankommen und für ein wunderbares Kennenlernen. Du darfst deinen Körper in dieser Phase erst einmal ganz neu entdecken: Seine Veränderungen an der Brust und am Bauch, seine Narben und auch sein neues Level an Energie. Sie zeigen, dass dein Körper ein Kind getragen, geboren und damit eine unglaubliche Leistung vollbracht hat. Gleichzeitig verstehen wir, dass sich einige Mamas vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt unwohl mit diesen Veränderungen fühlen. Und das ist völlig in Ordnung. Seinen ‘neuen’ Körper anzunehmen darf seine Zeit benötigen und du musst nicht alles sofort akzeptieren. So wie die körperliche Rückbildung brauchen auch die mentale Umstellung und das Einfinden in sein neues Körpergefühl einfach etwas Geduld. Fühlst du dich bereit dazu, darfst du natürlich immer an dir arbeiten; setze dich dabei aber nie unter Druck und sei vor allem nicht zu hart zu dir selbst.
Denk auch immer daran, dass Gewicht und Körperform allein noch nichts darüber aussagen, wie gesund oder stark du nach der Geburt bist. Viel wichtiger ist, dass du Schritt für Schritt wieder ein gutes Gefühl für deinen Körper entwickelst.
Vielleicht hast du dir eine einfache Lösung erhofft, um in kurzer Zeit Gewicht zu verlieren. Wir verstehen, dass das ein Wunsch ist, den viele Mamas haben und der oft noch deutlich tiefer reicht als der bloße Blick auf die Waage. Erinnere dich aber immer wieder daran, dass dein Körper Leben geschaffen hat. Diese unfassbare Leistung vergisst man schnell. Gib ihm deshalb Zeit, stärke ihn durch gesunde Ernährung und sanfte Bewegung und arbeite mit, nicht gegen ihn. In den allermeisten Fällen reguliert sich das Gewicht nach der Geburt mit der Zeit von selbst, sobald dein Körper bereit dazu ist.
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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