Beim Blick auf den kleinen Babybauch fällt sie plötzlich auf: eine weiche, runde Vorwölbung am Bauchnabel. Oft handelt es sich dabei um einen sogenannten Nabelbruch. Das klingt im ersten Moment beunruhigend, ist aber in den allermeisten Fällen kein Grund zur Sorge. Denn ein Nabelbruch ist bei Babys meist völlig harmlos und bildet sich von ganz allein wieder zurück.
In diesem Beitrag erfährst du, wie ein Nabelbruch entsteht, wie du ihn erkennst und wie du dein Baby sanft unterstützen kannst.
Was genau ist ein Nabelbruch?
Ein Nabelbruch (medizinisch: Nabelhernie) ist eine kleine Wölbung im Bereich des Bauchnabels. Meist ist sie rund, weich und wirkt so, als würde der Bauchnabel des Babys etwas ‘herausstehen’. Die Größe kann ganz unterschiedlich sein, von einer kleinen Wölbung bis etwa zur Größe einer Walnuss.
Obwohl nicht so oft darüber gesprochen wird, haben rund 10 von 100 Neugeborenen einen Nabelbruch. Frühgeborene sind sogar noch etwas häufiger betroffen, da ihre Bauchmuskeln noch zarter sind. Auch Mehrlinge oder Babys, die viel husten oder stark pressen (z.B. bei Blähungen), entwickeln etwas häufiger einen Nabelbruch.
Wie entsteht ein Nabelbruch?
Ein Nabelbruch kann angeboren sein oder sich erst nach der Geburt entwickeln:
Der angeborene Nabelbruch
Während der Schwangerschaft entsteht zwischen der 6. und 10. Schwangerschaftswoche eine kleine Lücke in der Bauchmuskulatur des Babys: der physiologische Nabelbruch. Er ist ein völlig normaler und sogar wichtiger Schritt in der Entwicklung, denn er sorgt dafür, dass der Darm genug Platz zum Wachsen hat. Etwa ab der 10. Schwangerschaftswoche verschwindet diese Lücke und verschließt sich von ganz alleine wieder. Manchmal bleibt allerdings eine kleine Öffnung bestehen und das Baby kommt mit einem angeborenen Nabelbruch zur Welt.
Der erworbene Nabelbruch
In den ersten Tagen nach der Geburt trocknet der Nabelschnurrest ein und fällt von ganz alleine ab. Daraufhin verschließt sich der sogenannte Nabelring, an dem das Baby mit der Nabelschnur verbunden war. In einigen Fällen bleibt jedoch eine kleine Lücke vorhanden und es entsteht ein erworbener Nabelbruch.
Hat das Baby bei einem Nabelbruch Schmerzen?
Egal ob angeboren oder erworben: In der Regel tut ein Nabelbruch deinem Baby nicht weh! Es ist daher also weder ungewöhnlich unruhig noch reagiert es auffällig empfindlich, wenn du seinen Bauch sanft berührst.
Typisch ist aber, dass die Vorwölbung beim Schreien, Husten, Lachen, Niesen oder Pressen etwas größer wird. Das liegt an dem erhöhten Druck im Bauchraum. Sobald dein Baby ruhiger wird und entspannt, wird die Wölbung auch wieder kleiner.
Wann schnelles Handeln wichtig ist
Durch die kleine Lücke in der Bauchmuskulatur kann es in sehr seltenen Fällen passieren, dass kleine Teile des Darms darin eingeklemmt werden und die Blutzufuhr unterbrochen wird. Die Anzeichen für eine solche Einklemmung (medizinisch: Inkarzeration) können sein:
- Dein Baby schreit plötzlich sehr stark und lässt sich nicht beruhigen
- Der Nabel ist hart, angespannt, gerötet oder schmerzt beim Berühren
- Dein Baby erbricht oder hat einen aufgeblähten Bauch
Beobachtest du eines der Anzeichen, solltest du direkt ärztliche Hilfe holen bzw. den Notruf (112) wählen.
Es ist völlig nachvollziehbar, wenn dich das beim Lesen beunruhigt. Lass’ dich aber bitte trotzdem nicht verunsichern! In den allermeisten Fällen verläuft ein Nabelbruch bei Babys völlig harmlos und ohne Komplikationen. Und sollte der unwahrscheinliche Fall wirklich eintreten, kannst du die Anzeichen jetzt richtig einordnen und sofort entsprechend handeln.
Wie wird ein Nabelbruch behandelt?
In den meisten Fällen muss ein Nabelbruch bei Babys nicht behandelt werden. Denn sobald die Bauchmuskeln kräftiger werden, verschließt sich die Lücke von ganz alleine. Oft passiert das innerhalb des ersten Lebensjahres. Manchmal bleibt der Nabelbruch aber auch bis zum 2. oder 3. Geburtstag bestehen. Auch das ist in der Regel völlig unbedenklich.
Solange die Wölbung weich ist, sich leicht eindrücken lässt, das Baby keine Schmerzen signalisiert und der Nabel weder entzündet noch verhärtet ist, besteht grundsätzlich kein Handlungsbedarf aus medizinischer Sicht. Behalte den Nabel deines Babys aber trotzdem aufmerksam im Blick. So erkennst du Veränderungen frühzeitig und kannst sie bei Bedarf mit deiner Hebamme oder deinem Kinderarzt/deiner Kinderärztin besprechen.
Hebammentipp
Auch wenn der Gedanke nachvollziehbar ist: Bedecke den Nabel nicht mit einem Pflaster, einer Münze oder etwas Ähnlichem. Diese Methode gilt als überholt und könnte die Haut reizen oder Infektionen begünstigen. Wenn du dein Baby sanft unterstützen möchtest, darfst du auf ‘Tummy Time’ achten, also dein Baby regelmäßig auf dem Bauch liegen lassen (bitte nur unter Aufsicht!). Das stärkt die Bauchmuskulatur und die Rückbildung des Nabelbruchs wird ganz natürlich gefördert.
Eine Operation des Nabelbruchs ist nur sehr selten notwendig. Ein Grund könnte z.B. sein, dass er sich bis zur Einschulung noch nicht verschlossen hat und noch recht groß ist. Diese Operation ist aber in der Regel unkompliziert und dauert nur wenige Minuten. Außerdem kann sie oft ambulant durchgeführt werden, d.h. dein Baby muss danach nicht über Nacht im Krankenhaus bleiben. Sollte eine Operation des Nabelbruchs bei eurem Baby in Frage kommen, wird euer Kinderarzt/eure Kinderärztin euch gut beraten und euch den Eingriff nochmal ganz genau erklären.
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Auch wenn ein Nabelbruch oft von alleine heilt, ist es wichtig, ihn regelmäßig kontrollieren zu lassen. Dazu kann deine Hebamme bei den Hausbesuchen immer einen Blick auf den Nabel des Babys werfen. Falls du keine Hebamme hast, ist es ausreichend, wenn der Kinderarzt/die Kinderärztin den Nabelbruch bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen (U3, U4 usw.) mit anschaut.
Wenn du aber eines/mehrere dieser Signale bei deinem Baby feststellst, empfehlen wir dir, auch außer der Reihe den Kinderarzt/die Kinderärztin zu besuchen:
- Die Wölbung wird größer und geht auch mit leichtem Druck nicht zurück
- Der Nabel ist gerötet, heiß oder schmerzhaft
- Dein Baby ist auffällig unruhig, blass oder wirkt apathisch
Solltest du dir unsicher sein, gilt immer: Lieber einmal zu viel abklären lassen!
Ein Nabelbruch beim Baby löst vor allem bei den Eltern schnell Unsicherheiten aus. Das ist völlig verständlich und zeigt, dass ihr euch als Eltern um euer Baby sorgt. In aller Regel tut ein Nabelbruch aber überhaupt nicht weh und muss auch nicht behandelt werden. Meist verschwindet er von ganz allein bis zum dritten Geburtstag wieder. Das Wichtigste ist daher, Ruhe zu bewahren und den Bauchnabel regelmäßig zu kontrollieren. Geduld und sanftes Bauchtraining wirken oft wahre Wunder. Und wenn du doch noch Fragen oder Bedenken hast, darfst du dich jederzeit an deine Hebamme oder deinen Kinderarzt/deine Kinderärztin wenden.
Weitere nützliche Infos rund um euer Baby
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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