Übelkeit und Erbrechen gehören für viele Frauen zu den ersten Anzeichen einer Schwangerschaft. Oft machen sie sich vor allem am Morgen bemerkbar, manche Schwangere begleiten sie jedoch den ganzen Tag. Die Schwangerschaftsübelkeit kann den Alltag ziemlich auf den Kopf stellen und selbst kleine Aufgaben zu einer echten Herausforderung machen.
In diesem Beitrag erfährst du, woher Schwangerschaftsübelkeit kommt, welche Tipps und Hausmittel dir helfen können und wann es sinnvoll ist, medizinischen Rat einzuholen.
Inhalt
- Ursachen
- Häufigkeit und Zeitpunkt
- Gefährlich für das Baby?
- Hausmittel und Tipps
- Wann zum Arzt?
- Medikamente
- Hyperemesis gravidarum
Schwangerschaftsübelkeit: Ursachen
Die genauen Ursachen von Schwangerschaftsübelkeit sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird aber Folgendes:
- das Schwangerschaftshormon hCG: Dieses steigt in der frühen Schwangerschaft stark an. Das ist auch der Zeitraum, in dem Übelkeit und Erbrechen typischerweise auftreten. Ob und welche Rolle hCG bei der Entstehung der Beschwerden spielt, ist jedoch nicht abschließend geklärt.
- Progesteron: Auch Progesteron wird in der Schwangerschaft vermehrt produziert. Da es unter anderem die Magen-Darm-Bewegungen verlangsamt, könnte es ein Auslöser für Schwangerschaftsübelkeit sein bzw. sie verstärken.
- das Hormon GDF15: Es wird während der Schwangerschaft vor allem vom fetoplazentaren Gewebe gebildet und wirkt auf Bereiche im Gehirn, die unter anderem Übelkeit und Erbrechen steuern. Die Forschung zeigt zunehmend, dass GDF15 eine wichtige Rolle bei Schwangerschaftsübelkeit spielt. Auch die individuelle Empfindlichkeit gegenüber diesem Hormon scheint dabei entscheidend zu sein.
- Veranlagung: Forschende vermuten, dass auch eine familiäre Veranlagung Einfluss auf die Schwangerschaftsübelkeit haben kann.
Außerdem berichten Schwangere mit Mehrlingen oft von intensiveren Symptomen. Ein möglicher Grund: Bei Mehrlingsschwangerschaften steigt der Hormonspiegel stärker an. Das könnte die Symptome verstärken.
Mythos: Starke Beschwerden = es wird ein Mädchen?
Tatsächlich zeigen Studien, dass das Risiko für starke Schwangerschaftsübelkeit bei einem weiblichen Fötus erhöht ist. Daraus lässt sich aber nicht zuverlässig auf das Geschlecht des Babys schließen. Starke Übelkeit ist also kein sicheres Zeichen dafür, dass ein Mädchen unterwegs ist. 😉
Schwangerschaftübelkeit: Häufigkeit und Zeitpunkt
Schwangerschaftsübelkeit ist sehr häufig: Je nach Quelle sind bis zu 90 % der Schwangeren betroffen. Die Beschwerden beginnen meist zwischen der 4. und 7. Schwangerschaftswoche. Bei vielen lassen sie im Laufe des ersten Trimesters nach und klingen bis etwa zur 16.–20. SSW ab. Bei manchen Schwangeren halten sie jedoch länger an.
Und obwohl sich der Mythos hartnäckig hält, tritt Schwangerschaftsübelkeit nicht immer nur am Morgen auf. Im Gegenteil: Sie kann zu jeder Tages- und Nachtzeit vorkommen, manche Schwangere spüren sie sogar den gesamten Tag über.
Ist Schwangerschaftsübelkeit gefährlich fürs Baby?
In der Regel ist Schwangerschaftsübelkeit nicht gefährlich für das Baby. Trotzdem kann sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Bei ausgeprägtem Erbrechen und einem deutlichen Flüssigkeits- oder Nährstoffmangel kann allerdings auch die Versorgung von Mutter und Baby beeinträchtigt werden. Deshalb ist es wichtig, starke Beschwerden ernst zu nehmen und sich rechtzeitig Unterstützung zu holen.
Hausmittel und Tipps gegen Schwangerschaftsübelkeit
1. Leeren Magen vermeiden
Ein leerer Magen kann Schwangerschaftsübelkeit verstärken. Unser Tipp: Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt anstatt drei große. So vermeidest du, dass dein Magen längere Zeit leer bleibt.
2. Kleiner Snack vor dem Aufstehen
Einigen Schwangeren hilft es, VOR dem Aufstehen eine Kleinigkeit zu essen und danach noch einen kurzen Moment liegen zu bleiben. Stelle dir deshalb am besten schon am Abend einen kleinen Snack ans Bett.
3. Schonende Lebensmittel
Setze auf Lebensmittel, die die Verdauung schonen. Dazu gehören z.B. Toast, Zwieback, Cracker, Reis, Kartoffeln, Haferschleim, milder Joghurt und Quark, Bananen und Apfelmus. Auch eiweißreiche Lebensmittel können manchen Schwangeren helfen.
Sehr fettige, frittierte oder stark gewürzte Speisen können die Übelkeit bei manchen Schwangeren hingegen verstärken.
Wichtig: Welche Lebensmittel du gut verträgst, ist jedoch sehr individuell. Beobachte deshalb, was dir guttut und versuche, dich daran zu orientieren.
4. Ausreichend Trinken
Gerade wenn Erbrechen hinzu kommt, ist ausreichend Flüssigkeit wirklich wichtig. Unser Tipp: Versuche immer wieder kleine Schlucke über den Tag verteilt zu trinken. Manche Schwangere empfinden es als angenehmer, zwischen den Mahlzeiten zu trinken, statt größere Mengen direkt zum Essen aufzunehmen. Probiere aus, was für dich am besten funktioniert.
Bei dem Getränk selbst kommt es wieder ganz darauf an, was sich für dich gut anfühlt. Viele Schwangere empfinden aber z.B. kaltes Wasser, Tee und Wasser mit Zitrone als wohltuend.
5. Ingwer
Es gibt Hinweise darauf, dass Ingwer leichte bis mittelstarke Schwangerschaftsübelkeit lindern kann. Wenn du ihn ausprobieren möchtest, besprich bei Unsicherheiten oder einer Risikoschwangerschaft am besten mit deiner Hebamme oder deinem Arzt bzw. deiner Ärztin, ob er für dich geeignet ist. Bei Ingwerpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln ist besondere Vorsicht geboten, da sie deutlich konzentrierter sein können als ein Tee.
6. Trigger gezielt vermeiden
Es gibt bestimmte Trigger, die die Übelkeit bei vielen Schwangeren verstärken. Das können z.B. intensive Gerüche, warme Speisen oder sehr starke Gewürze sein. Die genauen Trigger sind aber von Person zu Person ganz unterschiedlich. Beobachte deshalb genau, wann die Beschwerden bei dir besonders stark sind und versuche, die Auslöser gezielt zu vermeiden.
Hebammentipp
Falls Kochgerüche deine Übelkeit verstärken, können kalte Mahlzeiten eine angenehme Alternative sein. Denn sie riechen meist weniger intensiv als warme Speisen.
7. Akupunktur und Akupressur
Einige Schwangere empfinden Akupunktur oder Akupressur als hilfreich. Die wissenschaftliche Studienlage ist allerdings begrenzt und die Wirkung nicht bei allen Betroffenen gleich. Wenn du dich für Akupunktur oder Akupressur interessierst, kann es sich lohnen, bei deiner Hebamme danach zu fragen. Sie kann dich individuell beraten und, wenn sie eine Zusatzqualifikation hat, die Behandlung sogar selbst durchführen.
8. Ruhe
Ausreichend Schlaf, feste Pausen und möglichst viel Entlastung können dabei helfen, besser mit der Schwangerschaftsübelkeit umzugehen. Auch langsames Aufstehen am Morgen und frische Luft, etwa durch kleine Spaziergänge und regelmäßiges Lüften, können sehr wohltuend sein.
9. Unterstützung
Unterstützung ist bei Schwangerschaftsübelkeit das A und O. Bitte deshalb deine Freunde, Familie und deinen Partner/deine Partnerin aktiv um Hilfe. Oft sind sie sogar sehr dankbar, wenn sie dich entlasten können. Tolle Möglichkeiten sind hier z.B. Einkäufe, vorgekochtes Essen, Unterstützung im Haushalt oder die Betreuung von Geschwisterkindern.
Hebammentipp
Nicht immer kann das Umfeld unterstützen. Dann kannst du unter bestimmten Voraussetzungen als gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine Haushaltshilfe haben. Ob das in deiner Situation möglich ist, klärst du am besten direkt mit deiner Krankenkasse. Scheue nicht davor zurück, danach zu fragen!
Schwangerschaftsübelkeit: Wann ärztlichen Rat einholen?
Du solltest deine Schwangerschaftsübelkeit immer ärztlich abklären lassen, wenn:
- du kaum oder gar keine Flüssigkeit bei dir behalten kannst
- du deutlich weniger oder sehr dunklen Urin hast
- du merklich Gewicht verlierst
- du unter starkem Schwindel, Kreislaufproblemen oder Herzrasen leidest
- du dich insgesamt zunehmend schwach oder krank fühlst
- starke Bauchschmerzen, Fieber oder andere ungewöhnliche Beschwerden dazu kommen
- du Blut in deinem Erbrochenen hast
Wenn Übelkeit und Erbrechen erstmals nach der 16. SSW auftreten, solltest du das ärztlich abklären lassen, da auch andere Ursachen dahinter stecken können.
‼️Ganz wichtig:
Bitte warte nicht, bis du deutlich an Gewicht verlierst oder bereits Anzeichen einer Austrocknung bemerkst. Wenn du kaum trinken kannst, die Übelkeit deinen Alltag stark beeinträchtigt oder du das Gefühl hast, nicht mehr zurechtzukommen, hole dir frühzeitig medizinische Unterstützung. Du musst die Beschwerden nicht einfach aushalten. Wenn du dich frühzeitig an deine Hebamme oder deine gynäkologische Praxis wendest, kann dir früher geholfen werden.
Medikamente gegen Schwangerschaftsübelkeit
Es gibt Medikamente, die bei Schwangerschaftsübelkeit helfen können. Dazu gehört beispielsweise die Kombination aus Doxylamin und Vitamin B6 (Pyridoxin). Bei stärkeren Beschwerden können auch weitere Medikamente gegen Übelkeit infrage kommen.
Wichtig: Welche Behandlung für dich geeignet ist, hängt von deiner individuellen Situation ab. Lass dich deshalb ärztlich beraten. Du musst nicht warten, bis die Beschwerden unerträglich werden, bevor du nach Behandlungsmöglichkeiten fragst.
Hyperemesis gravidarum: Wenn Schwangerschaftsübelkeit sehr stark wird
Die Hyperemesis gravidarum ist eine schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit. Betroffene leiden unter ausgeprägter Übelkeit und häufigem Erbrechen, wodurch Essen und Trinken sowie der Alltag stark beeinträchtigt sein können. Es kann zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten und einem deutlichen Gewichtsverlust kommen.
Je nach Schweregrad können Medikamente, eine Behandlung mit Infusionen oder ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein. Deshalb ist es wichtig, bei starken oder zunehmenden Beschwerden frühzeitig medizinischen Rat einzuholen.
Schwangerschaftsübelkeit kann sowohl körperlich als auch emotional wirklich belastend sein. Unser wichtigster Tipp: Hör auf dich und deinen Körper und achte ganz genau darauf, was dir gerade gut tut. Auch wenn Übelkeit so viele Schwangere betrifft: Du musst sie nicht einfach hinnehmen! Wenn du kaum etwas essen kannst, bestimmte Lebensmittel nicht verträgst oder die Tipps bei dir nicht helfen, mach dir außerdem bitte keine Vorwürfe. Schwangerschaftsübelkeit lässt sich nicht immer durch Ernährung und Hausmittel lindern. Du darfst dir jederzeit professionelle Unterstützung holen, es gibt Möglichkeiten und Wege, die Beschwerden zu lindern, auch dann, wenn du noch nicht stark abgenommen hast. Falls du betroffen bist, wünschen wir dir eine schnelle Besserung! 🧡
Tipp: In dieser Podcastfolge sprechen wir nochmal ganz ausführlich über Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft. Hör gerne mal rein! 🧡
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ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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