Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes kommt für viele Frauen ganz schön überraschend. Umso mehr Fragen tauchen plötzlich auf: Was bedeutet das für die Schwangerschaft? Ist mein Baby davon betroffen? Und was sollte ich jetzt im Alltag ändern?
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Betreuung lässt sich ein Schwangerschaftsdiabetes meist sehr gut in den Griff bekommen. In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige, was du dazu wissen solltest.
Inhalt
- Was ist Schwangerschaftsdiabetes?
- Die Diagnose
- Auswirkungen auf das Baby
- Gibt es Möglichkeiten zum Vorbeugen?
- Risikofaktoren
- Behandlung
- Auf was sollte ich jetzt achten?
- Die Geburt
- Nach der Geburt
Schwangerschaftsdiabetes: Was ist das eigentlich?
Ein Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes genannt) ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die erstmals in der Schwangerschaft festgestellt wird.
Während der Schwangerschaft verändern sich die Hormone im Körper der Frau deutlich. Dadurch reagiert der Körper z.B. weniger empfindlich auf Insulin. Das ist grundsätzlich ein ganz normaler und sogar wichtiger Prozess. Denn so steht dem Baby ausreichend Glukose (Zucker) als Energiequelle zur Verfügung. Manchmal kann sich die Bauchspeicheldrüse aber nicht ausreichend an diese Veränderung anpassen und der Körper kann den Blutzucker nicht mehr ausreichend regulieren. Werden dann bestimmte Blutzucker-Grenzwerte überschritten, spricht man von einem Schwangerschaftsdiabetes.
Die Diagnose
Die Diagnose erfolgt meist zwischen der 24. und 28. SSW beim sogenannten Glukose-Screening (‘Zuckertest’). Das ist ein Teil der regulären Vorsorgeuntersuchungen und fest in den Mutterschaftsrichtlinien verankert. Der Grund: In dieser Phase der Schwangerschaft können Veränderungen im Blutzucker besonders gut festgestellt werden. Zudem kann so frühzeitig erkannt werden, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt.
Der Test selbst findet in zwei Stufen statt: Zunächst wird dazu meist ein Glukose-Screening durchgeführt. Fällt dieses auffällig aus, folgt ein weiterer Glukosetoleranztest, der nüchtern erfolgt und die Diagnose bestätigen oder ausschließen kann.
Gut zu wissen: Schwangerschaftsdiabetes verursacht häufig keine spürbaren Beschwerden. Gerade deshalb ist das Glukose-Screening so ein wichtiger Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge. Die Diagnose wird in den meisten Fällen durch den Test gestellt und nicht aufgrund von Beschwerden. Mach’ dir also keine Vorwürfe, falls du deinen Schwangerschaftsdiabetes nicht selbst bemerkt hast (denn das ist häufig gar nicht möglich)!
Hebammentipp
Die Diagnose sorgt bei vielen Schwangeren erst einmal für Verunsicherung. Wichtig ist: Ein Schwangerschaftsdiabetes ist gut erkennbar und lässt sich in den allermeisten Fällen ohne Komplikationen behandeln. Du wirst außerdem die ganze Zeit über eng begleitet. Mit dieser Unterstützung und ein paar Anpassungen im Alltag lässt sich die Situation meist sehr gut bewältigen.
Auswirkungen auf das Baby
Eine der ersten Fragen nach der Diagnose lautet oft: Hat der Schwangerschaftsdiabetes Auswirkungen auf mein Baby?
Grundsätzlich kann ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes dazu führen, dass das Baby im Bauch stärker wächst als gewöhnlich. Davon sind vor allem die Schultern und der Bauch betroffen. Ein großes Baby kann dann wiederum die Geburt erschweren und das Risiko für operative Geburtsformen steigern.
In den ersten Lebensstunden nach der Geburt kann zudem der Blutzuckerspiegel des Babys recht stark abfallen. Deshalb werden Babys, deren Mama einen Schwangerschaftsdiabetes hatte, nach der Geburt engmaschig überwacht. Tritt der Fall dann wirklich ein, kann direkt gehandelt werden.
Generell gilt aber: Wird der Schwangerschaftsdiabetes früh erkannt und richtig eingestellt, können diese Risiken deutlich reduziert werden.
Hebammentipp
Bei einem bestehenden Schwangerschaftsdiabetes kann es sinnvoll sein, etwa ab der 37. SSW etwas Kolostrum zu sammeln. Denn ein kleiner Vorrat an Muttermilch kann nach der Geburt dabei helfen, den Blutzuckerspiegel des Babys zu stabilisieren, falls er absinkt. So kann oft auf eine Zufütterung mit Ersatznahrung verzichtet werden (wichtig: Besprich das Sammeln von Kolostrum vorher immer mit deiner Hebamme oder deinem Arzt/deiner Ärztin). Und auch häufiges Anlegen und Füttern in den ersten Stunden nach der Geburt unterstützt dabei, den Blutzucker des Babys stabil zu halten.
Gibt es Möglichkeiten zum Vorbeugen?
Ein Schwangerschaftsdiabetes entsteht vor allem durch hormonelle Veränderungen und kann deshalb nicht immer verhindert werden. Trotzdem gibt es einige Dinge, die das Risiko verringern können:
Ernährung
Eine ausgewogene, regelmäßige Ernährung kann dabei helfen, Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Achte daher auf komplexe Kohlenhydrate, ausreichend Eiweiß und gesunde Fette. Vermeide außerdem zu große Pausen zwischen den Mahlzeiten und häufige, sehr zuckerreiche Gerichte.
Hebammentipp
Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index helfen dabei, den Blutzucker stabiler zu halten. Dazu zählen z.B. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Naturjoghurt, Nüsse, Gemüse und eiweißreiche Speisen. Auch kann es helfen, Kohlenhydrate mit Eiweiß und gesunden Fetten zu kombinieren. Das gilt auch, wenn bei dir bereits ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde.
Ganz wichtig: Es geht hier nicht um Verbote! Entscheidend ist nicht eine einzelne Mahlzeit, sondern das Gesamtbild deiner Ernährung. Ein Stück Kuchen oder eine andere Lieblingsnascherei zwischendurch sind also völlig in Ordnung. Selbst mit der Diagnose musst du nicht komplett auf Süßes verzichten. Beachte dazu aber bitte immer die Tipps, die dir dein Arzt/deine Ärztin mitgibt.
Bewegung
Bereits moderate Aktivitäten, wie Spaziergänge, Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga können einen positiven Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel haben. Hier zählt besonders sanfte, regelmäßige Bewegung im Alltag.
Aber: Selbst bei gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung kann ein Schwangerschaftsdiabetes auftreten. Eine Diagnose bedeutet also nicht, dass du etwas falsch gemacht hast!
Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes
Ein Schwangerschaftsdiabetes kann Frauen ganz unabhängig von ihrem Lebensstil oder Körpergewicht betreffen. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen können. Dazu gehören:
- ein Schwangerschaftsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
- ein Alter über 35 Jahre
- ein Body-Mass-Index über 30 (vor der Schwangerschaft)
- Diabeteserkrankungen in der nahen Familie
- ein sehr hohes Geburtsgewicht bei einem früheren Kind
- bestimmte Stoffwechsel- oder Hormonerkrankungen (z.B. PCOS)
Wichtig: Auch wenn einer oder mehrere Risikofaktoren auf dich zutreffen, bedeutet das nicht automatisch, dass du einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelst. Und genauso können Frauen ohne jeden Risikofaktor betroffen sein.
Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes
Vorab: Ein Schwangerschaftsdiabetes ist in den meisten Fällen gut behandelbar und kein akuter Notfall. Häufig reichen bereits eine angepasste Ernährung und regelmäßige Bewegung aus, um die Blutzuckerwerte gut zu regulieren. Einige Schwangere (etwa 20-30 %) benötigen zusätzlich Insulin, das sie sich selbst (mehrmals) täglich spritzen. Sollte das bei dir Fall sein, wird dir das aber sehr genau erklärt und gut beigebracht.
Hinweis: Insulin ist sehr gut untersucht und sicher für dein Baby. Es gelangt nicht in die Plazenta und wirkt sich ausschließlich auf den Stoffwechsel der Mama aus.
Wichtig ist vor allem, dass ein Schwangerschaftsdiabetes ärztlich begleitet wird. Deshalb finden die Vorsorgetermine nach der Diagnose meist etwas engmaschiger statt. Dort werden das Wachstum des Babys, die Fruchtwassermenge und das Wohlbefinden der Mama ganz genau angeschaut. So können mögliche Auswirkungen in aller Regel verhindert werden.
Auf was sollte ich jetzt achten?
Nach der Diagnose wirst du in der Regel in eine diabetologische Schwerpunktpraxis überwiesen oder bekommst eine spezielle Schulung, in der du lernst:
- wie du deinen Blutzucker misst
- welche Werte im Normbereich liegen
- wie du deine Mahlzeiten gestalten solltest
Im weiteren Verlauf wirst du deinen Blutzucker dann meist mehrmals täglich selbst messen. Meist erfolgt das nüchtern am Morgen und je 1-2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten.
Dafür verwendest du einen kleinen Tropfen Blut aus deiner Fingerkuppe und ein spezielles Messgerät. Die Werte trägst du dann in eine Tabelle ein und besprichst sie regelmäßig in deiner betreuenden Praxis.
Hebammentipp
Bei Schwangerschaftsdiabetes sind starke, plötzliche Blutzuckerschwankungen – wie du sie vielleicht vom Typ-1-Diabetes kennst – eher selten. Trotzdem lohnt es sich, gut auf deinen Körper zu hören: Eine Unterzuckerung kann sich z.B. durch Zittern, Schwitzen, Herzklopfen oder Schwindel bemerkbar machen. Erhöhte Werte wirken sich dagegen eher schleichend aus. Deshalb sind auch die regelmäßigen Kontrollen so wichtig, um Veränderungen schnell zu erkennen.
Die Geburt mit Schwangerschaftsdiabetes
Ist der Schwangerschaftsdiabetes gut eingestellt, steht einer vaginalen Geburt grundsätzlich nichts im Weg. Denn wichtig für die Geburtsplanung ist vor allem der Verlauf der Schwangerschaft und nicht allein die Diagnose. Dank der engmaschigen Betreuung während der Schwangerschaft werden unter anderem das Gewicht des Babys, die Fruchtwassermenge und das Wohlbefinden der Mama regelmäßig kontrolliert. Auf dieser Basis und im gemeinsamen Gespräch wird dann ein individueller Geburtsplan entwickelt.
In manchen Fällen kann auch eine frühere Geburtseinleitung empfohlen werden, z.B. bei sehr großen Kindern oder weiteren medizinischen Gründen. Diese Entscheidung wird jedoch immer individuell getroffen. In jedem Fall ist das Ziel, die größtmögliche Sicherheit für Frau und Baby zu gewährleisten.
Wie geht es nach der Geburt weiter?
Mit der Plazenta verschwinden auch die Hormone, die den Schwangerschaftsdiabetes verursacht haben. Dadurch liegen die Blutzuckerwerte oft schon direkt nach der Geburt wieder im regulären Bereich.
Trotzdem ist eine Nachkontrolle wichtig: Etwa 6-12 Wochen nach der Geburt wird ein erneuter Glukosetoleranztest empfohlen. So kann überprüft werden, ob sich der Stoffwechsel der Mama wieder vollständig erholt hat.
Langfristig haben Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko, später im Leben einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Das bedeutet aber nicht, dass dies auch zwangsläufig passiert.
Hebammentipp
Wir wissen, dass diese Information erst einmal Ängste und Sorgen auslösen kann. Diese Gefühle sind völlig nachvollziehbar und dürfen ihren Raum haben. Gleichzeitig kann das Wissen um das erhöhte Risiko vielleicht auch etwas Positives haben: Es gibt dir die Möglichkeit, frühzeitig auf deine Gesundheit zu achten und deinen Körper bestmöglich zu unterstützen. Versuche deshalb, wenn möglich, den Blick auf diese Chance zu richten.
Wichtig für dich: Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko deutlich senken. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und die empfohlenen ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. So kannst du deinen Stoffwechsel langfristig unterstützen und deiner Gesundheit aktiv etwas Gutes tun.
Hebammentipp
Deshalb lohnt es sich auch nach der Geburt, die positiven Gewohnheiten aus der Schwangerschaft beizubehalten. Denn regelmäßige Mahlzeiten, komplexe Kohlenhydrate, genug Bewegung und bewusste Pausen können den Stoffwechsel langfristig unterstützen. Und auch das Stillen wirkt sich positiv auf den Zuckerstoffwechsel der Mama aus. Das kann das spätere Diabetesrisiko zusätzlich senken. Schon kleine Veränderungen im Alltag können langfristig eine wirklich große Wirkung haben.
Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes kann im ersten Moment sehr verunsichern. Mit einer guten medizinischen Begleitung und einem bewussten Umgang im Alltag lässt sie sich aber in den allermeisten Fällen sehr gut bewältigen. Ein Schwangerschaftsdiabetes bedeutet zwar eine Umstellung, sollte die Vorfreude auf dein Baby aber nicht überschatten. Vertraue auf die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen und scheue nicht davor zurück, dich bei Fragen und Unsicherheiten jederzeit an deine Hebamme oder deinen Arzt/deine Ärztin zu wenden! 🧡
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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