Einen Baum pflanzen, ein Schmuckstück daraus fertigen oder die Plazenta einfach nur entsorgen? Nach der Geburt stehen viele Eltern vor der Frage, was mit der Plazenta passieren soll. Schließlich hat sie dein Baby während der Schwangerschaft mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und damit eine ganz besondere Rolle bei seiner Entwicklung gespielt. Was anschließend mit ihr geschieht, kann von Familie zu Familie ganz unterschiedlich aussehen.
In diesem Beitrag stellen wir dir 7 Möglichkeiten vor, was du nach der Geburt mit der Plazenta machen kannst und was du dabei beachten solltest.
1. Der häufigste Weg: Die Plazenta entsorgen
Wenn ihr euch als Eltern nichts anderes wünscht, wird die Plazenta nach der Geburt in der Regel fachgerecht entsorgt. Sowohl in der Klinik als auch bei einer Hausgeburt übernimmt diese Aufgabe meist die Hebamme. Für viele Eltern ist das ein stimmiger und unkomplizierter Weg. Besonders, wenn sie sich vor der Geburt noch nicht intensiv mit den verschiedenen Möglichkeiten rund um die Plazenta beschäftigt haben oder keine besondere Bedeutung mit ihr verbinden. Und das ist völlig in Ordnung und der mit Abstand häufigste Weg. Denn nach der Geburt hat die Plazenta ihre wichtigste Aufgabe erfüllt und für viele Eltern fühlt es sich richtig an, sie an diesem Punkt bewusst loszulassen.
2. Lotusgeburt: Die Plazenta am Baby belassen
Bei einer Lotusgeburt wird die Nabelschnur nach der Geburt nicht direkt durchtrennt. Dadurch bleibt die Plazenta mit dem Baby verbunden, bis sich die Nabelschnur nach einigen Tagen von ganz alleine löst. Während dieser Zeit wird die Plazenta gereinigt und versorgt, um sie möglichst gut zu konservieren.
Eltern, die sich für eine Lotusgeburt entscheiden, tun dies meist aus persönlichen, symbolischen oder spirituellen Gründen. Aus medizinischer Sicht ist dieses Vorgehen aber nicht notwendig und hier in Deutschland auch kaum verbreitet.
Wenn du eine Lotusgeburt in Betracht ziehst, solltest du dich im Vorfeld umfassend informieren und individuell beraten lassen. Denn nach der Geburt wird die Plazenta nicht mehr durchblutet und es können sich Keime bilden, die ein Infektionsrisiko für das Baby darstellen. Deshalb ist es wichtig, den Wunsch nach einer Lotusgeburt frühzeitig mit deiner Hebamme und dem Team des geplanten Geburtsortes zu besprechen.
3. Die Plazenta als Erinnerung: Plazentaabdruck
Einige Familien möchten nach der Geburt eine besondere Erinnerung an die Plazenta schaffen. Eine schöne Möglichkeit dafür ist ein Plazentaabdruck, ähnlich wie ein Hand- oder Fußabdruck des Babys. Dabei wird die Plazenta mit einer speziellen Farbe bestrichen und dann auf Papier, Karton oder eine Leinwand gedrückt. Durch die feinen Verästelungen der Blutgefäße entsteht so ein einzigartiges Motiv, das viele an einen ‘Baum des Lebens’ erinnert.
Der Abdruck kann entweder direkt nach der Geburt oder später zu Hause angefertigt werden. Wichtig ist, hygienisch zu arbeiten und die Plazenta vorab von überschüssigem Blut zu befreien. Anschließend sollte der Abdruck genug Zeit zum Trocknen bekommen. Das fertige Ergebnis kannst du dann z.B. einrahmen oder in einem Album aufbewahren.

Hebammentipp
Manche Eltern bewahren auch ein kleines, getrocknetes Stück der Nabelschnur als ganz persönliches Andenken auf. Auch eine Box mit Erinnerungsstücken ist eine tolle Idee, diese besondere Lebensphase festzuhalten. So finden kleine Schätze, wie beispielsweise das Geburtsbändchen deines Babys aus der Klinik, ihren festen Platz.
4. Die Plazenta einpflanzen oder beerdigen
In vielen Kulturen hat das bewusste Begraben oder Einpflanzen der Plazenta eine lange Tradition. Beispielsweise auf Bali, bei den Māori und in verschiedenen Regionen Lateinamerikas gilt die Plazenta als schützender Begleiter bzw. Teil der Herkunft eines Babys. Deshalb erhält sie dort nach der Geburt ganz besondere Aufmerksamkeit.
Aber auch hierzulande entscheiden sich einige Familien dafür, die Plazenta zu begraben oder einzupflanzen. Dahinter stehen oft symbolische oder persönliche Beweggründe, wie Dankbarkeit für die Schwangerschaft, das bewusste Abschließen dieser Lebensphase oder der Wunsch, einen Ort zum Erinnern zu schaffen. Besonders beliebt ist das Pflanzen eines Baums über der Plazenta, als Zeichen für Wachstum und Verwurzelung. Welche Baumart ihr wählt, ist völlig egal und eure ganz persönliche Entscheidung.
Hebammentipp
Du möchtest dich nach der Geburt nicht direkt festlegen? Kein Problem! Du kannst die Plazenta auch erst einmal einfrieren und später in Ruhe entscheiden, was damit passieren soll. Auch wenn noch kein Ort zum Vergraben feststeht oder die Geburt in die kalte Jahreszeit fällt und Einpflanzen gerade nicht möglich ist, ist das eine tolle Option. Achte aber immer auf eine hygienische Lagerung der Plazenta.
Wichtig: Informiere dich vorab immer über die rechtlichen und hygienischen Rahmenbedingungen beim Vergraben. Ob die Plazenta auf dem eigenen Grundstück begraben werden darf, ist je nach Region unterschiedlich. Auch gelten teilweise bestimmte Vorschriften zur Tiefe oder dem Abstand zu Gewässern.

Symbolbild
5. Schmuck aus der Plazenta herstellen
Eine weitere Möglichkeit ist es, einen kleinen Teil der Plazenta in ein Schmuckstück zu verwandeln. Für viele ist das ein besonderes Symbol der Schwangerschaft, Geburt und der Verbindung zu ihrem Baby. Spezialisierte Anbieter arbeiten dafür eine kleine Menge des Plazentagewebes oder getrocknetes Plazentapulver in Ringe, Anhänger oder andere Schmuckstücke ein. Oft werden zusätzlich Harz und Edelmetalle verwendet, um ein bleibendes Erinnerungsstück zu erschaffen.
6. Die Plazenta als homöopathisches Präparat
Besonders durch Social Media wächst das Interesse an homöopathischen Präparaten aus der Plazenta. Dabei wird aus einem sehr kleinen Stück des Gewebes ein homöopathisches Mittel hergestellt, oft in Form von Globuli oder Tropfen. Dafür wird direkt nach der Geburt ein winziges Stück entnommen und in eine spezielle Lösung gegeben. Diese wird dann an eine spezialisierte Apotheke geschickt, die daraus ein homöopathisches Präparat herstellt.
Befürworter/innen dieser Methode berichten von unterschiedlichen positiven Wirkungen auf Mama und Baby. Sie beruhen jedoch auf der homöopathischen Lehre und auf individuellen Erfahrungen. Wissenschaftliche Belege für eine medizinische Wirkung gibt es bislang nicht.
Hebammentipp
Möchtest du ein homöopathisches Präparat aus deiner Plazenta herstellen, solltest du das passende Entnahme-Set bereits im Vorfeld organisieren. Äußere deinen Wunsch auch unbedingt frühzeitig bei deiner Hebamme. So könnt ihr gemeinsam besprechen, ob und inwiefern sie diesen Schritt begleitet. Außerdem ist es wichtig, dass du dich schon vor der Geburt festlegst. Denn das kleine Stück Gewebe kann in der Regel nur aus der frischen Plazenta entnommen werden. Vorher Einfrieren ist hier also nicht möglich.

Symbolbild
7. Die Plazenta essen oder verarbeiten
Immer wieder hört man davon, dass Eltern die Plazenta nach der Geburt verzehren. Manchmal roh, manchmal gegart und manchmal sogar als Smoothie. Dahinter steckt oft der Wunsch, den Körper im Wochenbett zu unterstützen, den Eisenhaushalt zu stärken und Stimmungsschwankungen nach der Geburt abzufedern. Auch versprechen sich viele eine bessere Rückbildung, gesteigerte Milchbildung oder ein höheres Energielevel im Wochenbett.
Die Plazenta enthält tatsächlich verschiedene Nährstoffe wie Eisen, Eiweiß, Fettsäuren und Spurenelemente. Gleichzeitig fängt sie in der Schwangerschaft aber auch schädliche Stoffe ab, die nicht zum Baby gelangen sollen, z.B. Schwermetalle oder Rückstände von Medikamenten. Die genaue Menge ist nicht vorhersehbar und es besteht die Gefahr, dass diese Stoffe beim Verzehr der Plazenta mit aufgenommen werden. Wird die Plazenta nicht korrekt gelagert oder verarbeitet, besteht zudem die Gefahr, dass sich Keime vermehren.
Auch konnten die positiven Effekte bislang nicht wissenschaftlich belastbar belegt werden. Denn die wenigen Studien, die es gibt, stehen im Widerspruch zueinander oder sind gar nicht auf den Menschen übertragbar.
Aus medizinischer Sicht gibt es also keine Empfehlung, die Plazenta zu verzehren. Wenn du dich trotzdem dafür interessierst, ist es wichtig, dich gut zu informieren, auf eine sorgfältige und hygienische Verarbeitung zu achten und dich, wenn du das möchtest, an einen seriösen Anbieter zu wenden.
Wichtig für dich:
Beim Umgang mit der Plazenta nach der Geburt gibt es keinen ‘richtigen’ oder ‘falschen’ Weg. Kulturelle, familiäre und individuelle Hintergründe spielen hier eine wichtige Rolle und am Ende ist es immer eine ganz persönliche Entscheidung. Und diese sagt nichts über eure Bindung, deine Dankbarkeit oder den Wert eurer Geburtserfahrung aus. Wichtig ist vor allem, dass ihr euch als Eltern frei, informiert und ohne Druck von außen entscheiden könnt und die medizinische Sicherheit dabei immer Vorrang hat. Wählt also den Weg, mit dem ihr euch wohl und sicher fühlt! 🧡
Hebammentipp
Wenn ihr euch noch weiter über die Möglichkeiten, Abläufe oder praktische Fragen rund um die Plazenta austauschen möchtet, ist eure betreuende Hebamme dafür eine tolle erste Ansprechperson.
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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