Die letzten Tage vor der Geburt sind ganz schön aufregend. Und dann ist der errechnete Termin endlich da … doch dann geht er vorbei und im Bauch bleibt es weiterhin ganz ruhig. Für viele Eltern beginnt jetzt eine Zeit voller Emotionen: Vorfreude, Anspannung, aber auch ein wenig Sorge und Ungeduld.
Was es heißt, wenn sich das Baby etwas mehr Zeit lässt, worauf du bei einer Terminüberschreitung achten solltest und ob ‘natürliche Einleitungsmethoden’ tatsächlich funktionieren, erfährst du in diesem Beitrag.
Der Entbindungstermin
Um besser zu verstehen, warum manche Babys ein bisschen länger im Bauch bleiben, schauen wir uns zuerst einmal den Entbindungstermin etwas genauer an. Der Entbindungstermin ist eine berechnete Vorhersage, an welchem Tag die Geburt beginnen könnte. Festgelegt wird er normalerweise von deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt/deiner Frauenärztin mithilfe der sogenannten Naegele-Regel:
ET (Entbindungstermin) = 1. Tag der letzten Periode + 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr
Die Basis ist hier der erste Tag deiner letzten Periode. Dieses Datum kann aber gar nicht immer exakt wiedergegeben werden, wodurch der ET vom tatsächlichen Geburtsbeginn abweichen kann. Hinzu kommt, dass die Naegele-Regel von einem 28-Tage-Zyklus mit dem Eisprung an Tag 14 ausgeht. Viele Frauen haben aber einen längeren oder kürzeren Zyklus und somit oft auch einen späteren bzw. früheren Eisprung. Auch deshalb ist der ET nicht immer ganz genau.
Besonders bei einem unregelmäßigen Zyklus kann der Entbindungstermin auch mit einer Ultraschalluntersuchung vorhergesagt werden. Dabei misst der Arzt/die Ärztin die Größe des Babys, ermittelt daraus das Alter und bestimmt so den errechneten Geburtstermin. Aber auch dabei kann es zu Ungenauigkeiten und kleinen Abweichungen kommen.
Sowohl die Naegele-Regel als auch die Ultraschalluntersuchung können also immer nur eine Orientierung geben. Wann genau sich das Baby auf den Weg macht, kann (außer bei einer geplanten Bauchgeburt) niemand exakt vorhersagen und am Ende entscheidet auch das Baby selbst ein Stück weit mit.
Hebammenwissen 💡
Nur etwa 4-5 % aller Kinder werden genau am ET geboren. Wegen der Ungenauigkeiten betonen neuere Studien auch immer öfter ein ‘normales Zeitfenster’ statt eines fixen Stichtags. Häufig liegt dieser spontane Geburtsbeginn zwischen der 39+0 und 41+3 SSW.
Was bedeutet Terminüberschreitung?
Medizinisch gilt der Termin als überschritten, sobald du dich zwischen der 40+0 und 41+6 SSW befindest. Ab 42+0 SSW (also sobald du in der 43. Schwangerschaftswoche bist), spricht man von einer Übertragung.
Was passiert nach dem ET bei einer Terminüberschreitung?
Nach dem ET gibt es einige Besonderheiten, die in dieser Phase auf euch zukommen können. Zum Beispiel wird euer Frauenarzt/eure Frauenärztin in der Regel engmaschigere Kontrollen empfehlen, meist im Abstand von 2-3 Tagen. Dabei werden unter anderem das CTG, die Fruchtwassermenge, die Plazenta und der allgemeine Zustand der Mama und des Babys überprüft. So kann sichergestellt werden, dass es Mama und Baby auch nach dem ET jederzeit gut geht.
Auch kann es hilfreich sein, mit eurem Arzt/eurer Ärztin über eine mögliche Einleitung zu sprechen. Die engmaschigen Kontrollen bedeuten zwar noch nicht, dass automatisch interveniert werden muss. Aber so könnt ihr euch frühzeitig damit auseinandersetzen, eine informierte Entscheidung treffen und den für euch passenden Weg finden.
Wichtig zu wissen ist, dass bei einer Einleitung nicht nur der ET ausschlaggebend ist: Auch der generelle Verlauf der Schwangerschaft, individuelle Faktoren und der Gesamtbefund der Mama und des Babys spielen eine wichtige Rolle.
Ist eine Terminüberschreitung gefährlich?
Eine Terminüberschreitung allein ist bei einer gesunden Schwangerschaft noch kein Grund zur Sorge. Wie vorhin beschrieben, kommen die meisten Babys nicht pünktlich am ET und viele von ihnen erst in der 41. Schwangerschaftswoche oder sogar noch später auf die Welt. In der Regel entwickeln sich die Schwangerschaft und das Baby auch nach dem ET unauffällig weiter.
Trotzdem gibt es bestimmte Dinge, die nach dem ET etwas genauer im Blick behalten werden. Das ist wichtig, um Risiken wie zum Beispiel eine Plazentainsuffizienz, eine zu geringe Fruchtwassermenge oder Komplikationen beim Baby auszuschließen. Und sollte doch mal ein Problem auftreten, kann es durch die engmaschigen Kontrollen meist sehr schnell erkannt und dann auch direkt behandelt werden.
Wichtig: Nur weil sich das Baby ein paar Tage länger Zeit lässt, bedeutet das nicht, dass automatisch etwas nicht stimmt! Es ist auch nicht so, dass die Risiken direkt nach dem ET mit einem Mal drastisch ansteigen. Vielmehr erhöhen sie sich langsam, je länger die Übertragung dauert. Aber genau deshalb gibt es die engmaschigen Kontrollen nach dem ET: Um eure Sicherheit weiterhin zu gewährleisten und potenzielle Risiken früh zu erkennen.
Kann ich die Geburt anregen?
Viele Mamas haben nach dem ET den Wunsch, selbst etwas ‘zu tun’ und die Geburt auf natürlichem Weg anzuregen. Das ist völlig nachvollziehbar, denn das Warten und ‘Nichtstun’ kann ganz schön anstrengend sein.
Es gibt tatsächlich einige natürliche Einleitungsmethoden, die den Geburtsbeginn beschleunigen sollen. Dass sie wirklich Wehen auslösen, ist bei vielen von ihnen allerdings nicht belegt. Stattdessen wirken sie oft indirekt, indem sie zum Beispiel Stress reduzieren. Für alle Maßnahme gilt: Besprich sie, bevor du etwas ausprobierst, am besten immer einmal mit deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt/deiner Frauenärztin.
Bewegung
Gerade gegen Ende der Schwangerschaft können sich schon kleine Spaziergänge wie Hochleistungssport anfühlen, das wissen wir. Aber leichte Bewegung, egal ob Laufen an der frischen Luft, Treppensteigen oder der bekannte ‘Baby Mama Dance’, tut dem Körper grundsätzlich immer etwas Gutes. Denn sie kann die Mobilität des Beckens erhöhen, die Durchblutung steigern und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Das ist mit Blick auf die anstehende Geburt besonders wertvoll. Achte aber bitte immer darauf, dass du dich nicht verausgabst oder überanstrengst.
Ein warmes Bad
Genehmige dir, wenn du eine Badewanne hast, gerne regelmäßig ein warmes Bad. Das kann dir dabei helfen, dich zu entspannen und vor der Geburt Kraft zu tanken.
Hebammentipp
Auch wenn es vielleicht verlockend ist: Vermeide es, dir allzu heißes Wasser einzulassen. Denn das kann deinen Kreislauf negativ beeinflussen. Wir empfehlen eine Temperatur von maximal 37 °Celsius. Achte außerdem darauf, nicht länger als 15 Minuten in der Badewanne zu bleiben. Am besten badest du auch nicht allein, sondern hast immer eine vertraute Person bei dir. Sie kann dir helfen, wenn der Kreislauf doch mal verrückt spielt oder du nicht mehr alleine aus der Badewanne herauskommst.
Nelkenöl & Senfmehlfußbäder
Nelkenöl und Senfmehlfußbädern wird eine wehenfördernde Eigenschaft nachgesagt. Das basiert jedoch rein auf Erfahrungsberichten und Tradition und ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Nelkenöltampons bergen sogar einige Risiken, wie Infektionen oder eine Reizung der Schleimhäute. Achte deshalb immer ganz genau auf die richtige Anwendung und Dosierung, wenn du dich dafür entscheidest.
Geschlechtsverkehr
Auch Geschlechtsverkehr ist ein verbreiteter Weg, um die Geburt in Gang zu setzen. Grund dafür sind die im Sperma enthaltenen Prostaglandine, die auf den Muttermund wirken können. Außerdem wird beim Orgasmus das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das die Kontraktion der Gebärmutter unterstützen kann. In Studien konnte allerdings kein verlässlicher Effekt nachgewiesen werden. Trotzdem ist Geschlechtsverkehr nach dem ET bei einer unauffälligen Schwangerschaft völlig in Ordnung, wenn ihr euch beide wohl damit fühlt.
Bruststimulation & Abpumpen
Die Stimulation der Brust kann die Freisetzung von Oxytocin steigern und die Zeit bis zum Geburtsbeginn verkürzen. Höre dabei aber immer auf dein Körpergefühl und gehe nur so weit, wie es sich für dich gut anfühlt. Ganz darauf verzichten solltest du z.B. bei Risiko-, Mehrlingsschwangerschaften oder vorzeitigen Wehen.
Entspannung
Das klingt vielleicht banal, aber Entspannung und die mentale Vorbereitung auf die Geburt spielen eine wichtige Rolle dabei, wann sich dein Baby auf den Weg macht. Denn Stress, Angst und Druck können den Geburtsbeginn nachweislich hemmen. Nimm’ dir also besonders gegen Ende der Schwangerschaft noch einmal ganz gezielt Zeit für dich: Zum Entspannen, Durchatmen, Kraft-Tanken und um die letzten Tage deiner Schwangerschaft bewusst zu spüren. Dazu braucht es gar keine großen Rituale: Schnapp dir deinen Lieblings-Tee und lies’ ein schönes Buch oder schaue eine Serie, die dir gut gefällt. Lasse dir ein Bad ein oder massiere deinen Babybauch in einem ruhigen Moment. Ganz egal wie die Entspannung für dich aussieht, sie ist ein ganz wichtiger Teil der Geburtsvorbereitung und darf von dir priorisiert werden.
Hebammentipp
Auch das Gefühl, gut informiert und an Entscheidungen beteiligt zu sein, kann die Geburt positiv beeinflussen. Hast du also Fragen, Unsicherheiten oder möchtest einfach noch etwas mehr über die Geburt erfahren, kannst du dich jederzeit an deine Hebamme oder deinen Frauenarzt/deine Frauenärztin wenden.
Fazit für dich: Eine Terminüberschreitung an sich ist noch kein Grund zur Sorge. In den allermeisten Fällen entwickelt sich das Baby ganz normal weiter und kommt, wenn auch etwas später, völlig gesund zur Welt. Wichtig ist, dass du in dieser Zeit deine Termine beim Frauenarzt/der Frauenärztin wahrnimmst, damit eure Sicherheit genau überprüft werden kann. Bei natürlichen Einleitungsmethoden raten wir dir tendenziell zur Vorsicht. Viele sind nicht wissenschaftlich belegt oder haben einige Nebenwirkungen. Lege stattdessen Wert auf die mentale Vorbereitung und versuche so gut es geht, dich vor der Geburt zu entspannen.
Und denk daran: Das Baby wird kommen! Vielleicht nicht an dem errechneten Termin, aber dafür genau am richtigen Tag für euch.
Tipp: In dieser Podcast-Episode sprechen wir noch einmal ganz ausführlich über das Thema ‘Terminüberschreitung’. Hör gerne mal rein! 🧡
Ein Kommentar
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Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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Habe direkt die Bauchmassage ausprobiert und es hat geholfen, vielen Dank. Auch die Geburtshilfe gab mir diesen Tipp, habe aber aus Panik nicht darauf geachtet. Danke!