Während der Schwangerschaft verändert sich der Körper jeden Tag ein Stückchen mehr. Und manchmal zeigen sich dabei auch die sogenannten Varizen, besser bekannt als Krampfadern, an den verschiedensten Körperstellen. Sie sind zwar nicht selten, können aber im ersten Moment ganz schön verunsichern. Die gute Nachricht: Mit ein paar Tipps und Tricks bekommst du sie meist gut in den Griff und kannst deine Venen sanft unterstützen.
In diesem Beitrag erfährst du, welche Arten von Varizen es gibt, was helfen kann und wie du ihnen in der Schwangerschaft vorbeugen kannst.
Inhalt
- Was sind Varizen
- Ursachen für Varizen
- Arten von Varizen
- Symptome
- Wann sollte ich zum Arzt gehen
- Tipps bei und gegen Varizen
- Varizen nach der Geburt
Was sind Varizen?
Varizen sind dauerhaft erweiterte und geschlängelte Venen direkt unter der Hautoberfläche. Meist treten sie an den Beinen, der Vulva, dem Becken oder am Anus (Hämorrhoiden) auf. Sie können aber auch an verschiedenen anderen Körperstellen entstehen. Von außen erscheinen Varizen oft bläulich-violett und manchmal auch etwas knotig/’knubbelig’. So kann eine Varize am Bein zum Beispiel aussehen:

Ursachen für Varizen
Varizen entstehen dann, wenn die Venenwände sehr schwach sind oder die Venenklappen nicht mehr richtig funktionieren. Denn das verlangsamt den Blutfluss und führt dazu, dass sich das Blut in den oberflächlichen Venen zurückstaut. Dadurch erhöht sich der Druck in den Venen und sie treten sichtbar unter der Haut hervor.
In der Schwangerschaft ist das Risiko für Varizen besonders hoch. Das liegt vor allem an den Hormonen und der Gebärmutter:
- Die Hormone: Während der Schwangerschaft übernimmt das Hormon Progesteron viele wichtige Aufgaben: Es unterstützt das Wachstum der Plazenta, bereitet den Körper auf die Milchbildung vor und schützt das Baby im Bauch vor einer Immun- reaktion der Mama. Gleichzeitig hat es aber auch einen Nebeneffekt: Es macht das Bindegewebe weicher. Dadurch verlieren die Gefäßwände an Stabilität, die Venen- klappen können schlechter schließen, das Blut kann sich stauen und das Risiko für Krampfadern steigt.
- Die Gebärmutter: Mit dem Baby wächst auch die Gebärmutter, sodass sich der Druck auf die Beckenvenen erhöht. Das erschwert wiederum den Rückfluss des Blutes und kann dazu führen, dass Varizen entstehen.
Arten von Varizen
Je nachdem, wo die Varize liegt und wie sie verläuft, werden verschiedene Arten unterschieden:
- Besenreiser: Sie sind die kleinste Art und treten meist an Stellen auf, wo die Haut sehr dünn ist (z.B. auf der Rückseite der Oberschenkel oder der Waden).

- Stammvarizen: Diese Art kommt in der Schwangerschaft besonders häufig vor und betrifft die beiden Stammvenen in den Beinen.
- Seitenastvarizen: Sie treten in den Seitenästen der Beinvenen auf.
- Retikuläre Varizen: Sie sind, ähnlich wie die Besenreiser, etwas kleiner und bilden oft ein netzartiges Geflecht.
- Perforansvarizen: Das sind Varizen der Perforansvenen, die das tiefere mit dem oberflächlichen Venensystem verbinden.
Hebammentipp: Tabuthema Vulvavarizen
Krampfadern sind für viele Betroffene ohnehin schon ein unangenehmes Thema. Über Vulvavarizen, also erweiterte Venen im Bereich der Vulva, wird jedoch noch viel seltener gesprochen. Viele Schwangere zögern, mit Vulvavarizen auf ihre Hebamme oder einen Arzt/eine Ärztin zuzugehen. Wir möchten dich bestärken, das Thema offen anzusprechen und deine Beschwerden nicht wegen eines Tabus einfach hinzunehmen. Vulvavarizen sind meist kein schwerwiegendes Problem und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu lindern. Für Fachpersonen sind Vulvavarizen eine ganz ‘normale’ und alltägliche gesundheitliche Frage. Trau dich deshalb, offen damit umzugehen. Denn du verdienst es, Hilfe zu bekommen und dich nicht für etwas ganz Natürliches zu schämen.
Symptome
Das wohl bekannteste und sichtbarste Symptom von Varizen sind die hervortretenden Venen unter der Hautoberfläche. Es gibt aber noch weitere Begleiterscheinungen und Beschwerden, zum Beispiel:
- Schweregefühl in den Beinen
- Spannungsgefühl in den Beinen
- Druckempfindlichkeit im Bereich der Varizen
- Schmerzen im Bereich der Varizen
- Juckreiz im Bereich der Varizen
- Taubheitsgefühl im Bereich der Varizen
- Wadenkrämpfe
Wann sollte ich zum Arzt/zur Ärztin gehen?
Grundsätzlich sind Varizen in der Schwangerschaft zwar oft unangenehm, in der Regel aber nicht gefährlich für dich und dein Baby. Wenn die Varizen bei dir jedoch starke Schmerzen auslösen oder der betroffene Bereich sehr warm und/oder gerötet ist, sollte das umgehend ärztlich abgeklärt werden. Denn das könnte ein Hinweis auf eine Thrombose oder eine andere schwerwiegende Komplikation sein.
Generell gilt: Wenn du Varizen bei dir entdeckst, sprich das bei der nächsten Vorsorge- untersuchung bei deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt/deiner Frauenärztin offen an. So können mögliche Beschwerden frühzeitig eingeordnet werden und ihr könnt gemeinsam passende Maßnahmen besprechen.
Was kann ich tun? Tipps bei und gegen Varizen
Die folgenden Tipps und Tricks helfen dir dabei, die Beschwerden durch Varizen in der Schwangerschaft zu lindern. Außerdem sind sie tolle Möglichkeiten, um Varizen auch aktiv vorzubeugen:
- Beine hochlegen: Das verringert den Druck auf die Venen und unterstützt so den Rückfluss des Blutes. Am besten ist es, wenn du deine Beine mehrmals am Tag für etwa 15-20 Minuten hochlegst und nachts mit leicht erhöht gelagerten Beinen schläfst.
Hebammentipp
Ein kleiner Trick, damit das Beine-Hochlegen im Alltag nicht untergeht: Verbinde die 15-20 Minuten bewusst mit festen Ritualen. Lies’ zum Beispiel ein paar Seiten in einem Buch, höre einen Podcast oder gönn’ dir eine entspannende Bauchmassage mit unserem Massage Gel. Solche Routinen machen es oft leichter, dranzubleiben und deinem Körper regelmäßig etwas Gutes zu tun.
- Bewegung: Sie fördert die Durchblutung und entlastet die Venen. Bewegung kann Varizen dadurch sehr effektiv vorbeugen und die Symptome, wenn bereits Varizen vorhanden sind, sanft lindern.
Hebammentipp
Bewegung fällt in der Schwangerschaft nicht immer leicht. Doch schon kleine, regelmäßige Aktivitäten können viel bewirken: Sie stärken das Herz-Kreislauf-System und die Muskulatur, können das Wohlbefinden fördern und sind ganz wichtig für die Gesundheit deiner Venen. Und dafür braucht es kein intensives Training! Sanfte Bewegung, wie Spazieren oder Schwimmen, ist jetzt genau das Richtige. Wähle dabei immer ein Tempo, das sich für dich richtig anfühlt. So tust du dir und deinem Körper in dieser besonderen Zeit etwas wirklich Gutes.
- Venengymnastik: Gerade bei Varizen in den Beinen kann gezielte Venengymnastik sehr wertvoll sein. Das Beste daran: Viele Übungen lassen sich ganz einfach in den Alltag einbauen, sogar im Sitzen. Zwei Beispiele sind das Fußwippen und das Fuß- kreisen. Beim Fußwippen stellst du beide Füße flach auf den Boden und hebst dann abwechselnd die Fersen und die Zehen an. Beim Fußkreisen hebst du ein Bein an, streckst es aus und kreist den Fuß 10 mal links und dann 10 mal rechts herum. Das Gleiche machst du anschließend mit dem anderen Bein.
- Kompressionsstrümpfe: Sie üben von außen sanften Druck auf die Venen aus. Das unterstützt die Venenklappen und hilft dabei, dass das Blut besser zurückfließen kann.
- Wechselduschen: Regelmäßige Wechselduschen können die Durchblutung fördern und die Venentätigkeit anregen. Und so geht’s: Starte mit einer angenehm warmen Dusche und drehe das Wasser dann auf eine kältere Temperatur. Beginne beim kalten Wasser immer an deinen Füßen und arbeite dich nach oben vor. Das Ganze wiederholst du 2-3 mal (warm-kalt-warm-kalt-warm-kalt). Wichtig: Immer mit kaltem Wasser enden!
Hebammentipp
Besonders gegen Ende der Schwangerschaft kann das Duschen wirklich anstrengend werden. Umso wertvoller ist es, wenn die Pflegeroutine möglichst unkompliziert ist: Unsere 3in1 Duschcreme kombiniert Körperpflege, Intimpflege und Bodylotion in einem. So sparst du dir zusätzliche Schritte, während die Haut gleichzeitig sanft gepflegt und mit Feuchtigkeit versorgt wird.
Varizen nach der Geburt
In vielen Fällen bilden sich Varizen in den ersten 3-6 Monaten nach der Geburt von allein wieder (teilweise) zurück. Denn der Hormonhaushalt normalisiert sich langsam wieder und der Druck auf die Beckenvenen nimmt ab. Bis dahin können die Beschwerden allerdings weiterhin auftreten. Deshalb können die beschriebenen Tipps, vor allem das Hochlegen der Beine und Tragen von Kompressionsstrümpfen, auch nach der Geburt noch sehr sinnvoll sein.
Wichtig zu wissen ist aber, dass Varizen nach der Schwangerschaft nicht immer vollständig wieder verschwinden. Besonders bei Folgeschwangerschaften und bereits bestehenden Bindegewebsschwächen können die Varizen auch dauerhaft vorhanden bleiben. Auch hier können die Tipps helfen, die Symptome zu lindern. Das zugrundeliegende Problem lösen sie in diesem Fall aber leider nicht.
Sind deine Varizen nach 3-6 Monaten noch vorhanden, wendest du dich am besten an einen Phlebologen/eine Phlebologin, also einen Venenspezialisten. So könnt ihr gemeinsam besprechen, ob und welche Art von Behandlung (z.B. eine Lasertherapie) für dich in Frage kommt.
Jetzt weißt du, was Varizen sind und woher sie in der Schwangerschaft kommen können. Wichtig für dich: Mit ein paar Tipps und Tricks, z.B. regelmäßiger Bewegung und dem Hochlegen deiner Beine, kannst du das Risiko verringern und Beschwerden oft gut in den Griff bekommen. Achte aber auf die Signale deines Körpers und hole bei Unsicherheiten oder starken Beschwerden immer Rat bei deiner Hebamme oder einem Arzt/einer Ärztin ein. Auch wenn sich Varizen nicht in jedem Fall vermeiden lassen, kannst du selbst einiges dazu beitragen, deine Venen in dieser besonderen Phase bestmöglich zu unterstützen! 🧡
Tipp: In dieser Podcastfolge sprechen wir nochmal ganz ausführlicher über das Thema ‚Varizen‘. Hör‘ gerne mal rein! 🧡
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ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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