Hämorrhoiden sind ein Thema, über das nur selten offen und ohne Tabus gesprochen wird. Dabei hat jeder von uns Hämorrhoiden, die in der Regel allerdings keine Probleme verursachen und im Alltag kaum bzw. gar nicht spürbar sind. Besonders während der Schwangerschaft und im Wochenbett sorgen allerdings einige Faktoren dafür, dass sie bei den Betroffenen Symptome wie Schmerzen, Juckreiz oder sogar Blutungen verursachen. Woran das liegt und was du dagegen tun kannst, verraten wir dir in diesem Beitrag.
Was sind Hämorrhoiden eigentlich?
Hämorrhoiden sind ringförmige Gefäßpolster, die sich zwischen dem Rektum und dem Analkanal befinden. Sie werden von etlichen kleinen Venen und Arterien versorgt und sind dadurch sehr gut durchblutet. Wie oben bereits beschrieben, hat jeder Mensch Hämorrhoiden. Sie sind also etwas völlig Normales und haben sogar eine sehr wichtige Aufgabe im Körper. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgen sie dafür, dass sich der Darm nicht unkontrolliert entleert.
Wird umgangssprachlich von Hämorrhoiden gesprochen, ist oft die Vergrößerung dieser Gefäßpolster gemeint. Je nachdem, wie stark die Vergrößerung ausgeprägt ist, werden dabei vier verschiedene Schweregrade unterschieden:
- Grad 1: Die Hämorrhoiden können weder mit dem bloßen Auge erkannt noch mit den Fingern ertastet werden. Sie verursachen keine Schmerzen, sind aber mit einem dauerhaften und zum Teil recht starken Juckreiz verbunden. In manchen Fällen kann auch etwas Blut auf dem Stuhlgang bzw. beim Abwischen auf dem Toilettenpapier sichtbar werden. Diese Form ist die häufigste in der Schwangerschaft.
- Grad 2: Bei dieser Form können die Hämorrhoiden während des Stuhlgangs als einzelner Knoten oder in mehreren größeren Knötchen hervortreten. Danach ziehen sie sich aber wieder zurück. Die Schmerzen sind dabei leicht bis mittelstark und es können zusätzliche Beschwerden wie Nässen, Brennen oder Entzündungszeichen dazu kommen.
- Grad 3: Hier sind die Hämorrhoiden so stark vergrößert, dass es zu einem sogenannten Prolaps kommt. Das bedeutet, dass die Hämorrhoiden zum Beispiel während des Toilettengangs durch den Anus nach außen treten und sich auch nicht wieder von allein zurückziehen. Das kann während des Stuhlgangs starke Schmerzen verursachen und mit Juckreiz, Schleimabsonderung oder weiteren Entzündungszeichen einhergehen. Generell fühlt sich bei dieser Form oft einfach alles in diesem Bereich geschwollen an, wodurch schon Sitzen unangenehm sein kann.
- Grad 4: Du kannst die Hämorrhoiden bei dieser Stufe mit bloßem Auge erkennen. Sie können außerdem nicht wieder zurückgeschoben werden, d.h. der Prolaps ist hier permanent. Das kann dazu führen, dass das Gewebe nicht mehr so gut durchblutet werden kann und im äußersten Fall langsam abstirbt. Die Beschwerden reichen dabei von starken Schmerzen bis hin zu sehr starken Blutungen.

Wie werden Hämorrhoiden diagnostiziert?
Wenn du den Verdacht hast, du könntest vergrößerte Hämorrhoiden haben, kannst du das immer bei deiner Hebamme, deinem Gynäkologen/deiner Gynäkologin oder deinem Hausarzt/deiner Hausärztin abklären lassen. Wenn du Blut im Stuhl oder Beschwerden hast, die länger als 2 Wochen anhalten, empfehlen wir dir das sogar unbedingt. Wir verstehen, dass viele Menschen aus Scham und Angst vor Schmerzen vor einer medizinischen Abklärung zurückschrecken. Aber mach’ dir bitte keine Sorgen: Genau dafür sind Hebammen, Ärzte und Ärztinnen da und die Untersuchungen sind in den allermeisten Fällen schmerzfrei. In der Regel laufen sie in folgenden Schritten ab:
- Vorgespräch, um dich und deine Beschwerden kennenzulernen und einen ersten Eindruck zu gewinnen.
- Visuelle Untersuchung der betroffenen Region.
- Tastuntersuchung der betroffenen Region mit dem Finger.
- Zur weiteren Diagnostik kann dann eine Anal- oder Enddarmspiegelung erfolgen.
Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und im Wochenbett
In der Schwangerschaft und im Wochenbett sind vergrößerte Hämorrhoiden absolut keine Seltenheit. Grund dafür sind vor allem die Schwangerschaftshormone, die die Gefäße erweitern und damit auch die Hämorrhoiden vergrößern können. Hinzu kommt die Verdauung: Sie tanzt während der Schwangerschaft oft aus der Reihe und sorgt dafür, dass viele Frauen Probleme mit Verstopfungen haben.
Auch der wachsende Bauch kann Hämorrhoiden begünstigen, da sowohl die Gebärmutter als auch das Baby den Druck im Bauchraum erhöhen. Und schließlich kann das Pressen in der letzten Phase der Geburt die Vergrößerung von Hämorrhoiden fördern.
So unangenehm Hämorrhoiden während der Schwangerschaft auch sein können, verschwinden sie meist einige Wochen oder Monate nach der Geburt von ganz alleine wieder. Sofern du keine zu starken Beschwerden hast, ist der Besuch bei einem Facharzt im Wochenbett daher in der Regel auch nicht erforderlich. Es gibt allerdings ein paar Tipps und Tricks, was du in dieser Zeit selbst gegen Hämorrhoiden tun kannst.
Hämorrhoiden wieder los werden
Um die Hämorrhoiden schnell wieder los zu werden, darfst du folgende Dinge beachten:
- Nicht kratzen! Leichter gesagt als getan, das wissen wir. Es ist aber wichtig, dass du die betroffene Region nicht zusätzlich reizt, denn dadurch können sich die Symptome sogar noch verschlimmern.
- Weiches Toilettenpapier verwenden und beim Abwischen nicht übermäßig reiben.
- Keine Feuchttücher zum Reinigen nutzen, da die enthaltenen Duftstoffe die Schleimhaut zusätzlich reizen können. Stattdessen empfehlen wir dir klares Wasser.
- Viele Ballaststoffe und ausreichend Flüssigkeit zu dir nehmen. Das hilft gegen Verstopfungen und damit auch gegen die Hämorrhoiden.
Hebammentipp
Ballaststoffreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Nüsse, Samen, Obst (v.a. Beerenfrüchte) und Gemüse wie Rosenkohl, Brokkoli, Karotten, Paprika und Rote Beete. Um schnell und einfach mehr Ballaststoffe in deine Ernährung einzubauen, kannst du z.B. 1 EL geschrotete Leinsamen in einen Joghurt verrühren und ein klein wenig Leinöl hinzugeben.
- Nicht auf Sitzringen sitzen. Denn sie können zu Wassereinlagerungen im ohnehin empfindlichen Intim- und Gesäßbereich führen. Außerdem können sie die Wundheilung bei einer eventuellen Geburtsverletzung erschweren.
- Mehr liegen als sitzen, um den empfindlichen Bereich zu schonen.
Über diese allgemeinen Tipps hinaus gibt es auch einige Hausmittel, die deine Beschwerden lindern und deinen Alltag somit deutlich erleichtern können:
Hausmittel gegen Hämorrhoiden
Kühlen
Das Kühlen kann vor allem dabei helfen, den Juckreiz und das Brennen im betroffenen Bereich zu lindern.
Hebammentipp
Um die vergrößerten Hämorrhoiden zu kühlen, kannst du ganz einfach ein Handtuch mit etwas kaltem Wasser befeuchten und auf die gereizte Stelle legen. Eine weitere tolle Alternative ist Quark: Dieser wirkt nicht nur kühlend, sondern auch abschwellend und entzündungshemmend. Gib’ dazu einfach ein wenig Quark aus dem Kühlschrank auf ein Wattepad oder einen Waschlappen und lege diesen auf die Hämorrhoiden auf. Wichtig: Lasse ihn dort maximal 10-15 Minuten liegen.
Sitzbäder
Ein Sitzbad kann nicht nur die Beschwerden lindern, sondern auch dafür sorgen, dass sich die Hämorrhoiden etwas zurückziehen und wieder kleiner werden. Dazu kannst du Wirkstoffe wie Eichenrinde oder Hamamelis (als Urtinktur oder Salbe) hinzugeben. Dazu kannst du dich aber immer von deiner Hebamme oder in der Apotheke beraten lassen.
Hebammentipp
Eine Möglichkeit, ein Sitzbad zuzubereiten, ist folgende: Gib’ eine Handvoll Eichenrinde (diese bekommst du in der Apotheke) in einen Topf mit 1-2 Litern Wasser und lasse das Ganze für 10-15 Minuten köcheln. Lasse den Sud danach abkühlen, bis er ungefähr Körpertemperatur erreicht hat. Nun kannst du damit für maximal 10 Minuten ein Sitzbad durchführen.
Wie du ein Sitzbad ganz einfach selbst aufbauen kannst, zeigen wir dir hier:
Medikamente
Wenn dir die beschriebenen Hausmittel nicht helfen und deine Hämorrhoiden hartnäckig bleiben, können dir bei akuten Beschwerden auch spezielle Salben oder Zäpfchen aus der Apotheke helfen. Halte dazu aber immer Rücksprache mit deinem Facharzt/deiner Fachärztin. Gib dabei auch unbedingt an, wenn du dein Baby stillst, damit dir ausschließlich stillverträgliche Medikamente verschrieben werden.
Hebammentipp
Du kannst dir auch ganz einfach selbst eine Salbe für deine Hämorrhoiden herstellen: Lasse dazu 150-200 g Bienenwachs in einem Topf flüssig werden und gib’ dann je 30 g Schafgarbenblüte und Himbeerblätter hinzu. Das lässt du für rund 30 Minuten köcheln, bis alles schön weich ist. Nun gießt du das Ganze durch ein feines Sieb oder Tuch in ein verschließbares Gefäß und lässt es abkühlen.
Du kannst die fertige Salbe mehrmals täglich dünn auf die betroffenen Stellen auftragen, um die Symptome für einige Zeit zu minimieren.
Wenn du eine Salbe verwendest, kannst du diese entweder direkt auf die betroffene Stelle auftragen oder sie mit kühlenden Wattepads kombinieren: Koche dazu 150 ml Wasser ab und mische es mit einem Strang deiner Hämorrhoiden-Salbe, sodass eine dickflüssige Paste entsteht. Streiche sie auf große Wattepads und falte diese mit der bestrichenen Seite nach außen einmal in der Mitte. Die Wattepads kannst du nun in einer verschlossenen Dose im Kühlschrank lagern und dir bei Bedarf jederzeit eines davon auf die Hämorrhoiden legen.

Wir hoffen, dass dir einige der Tipps helfen und du deine Beschwerden ganz bald wieder los wirst! Und falls du Fragen, Unsicherheiten oder anhaltende Probleme hast, schäme dich nicht, dich an deine Hebamme oder einen Arzt/eine Ärztin zu wenden. Für sie gehört das zum Alltag und sie helfen dir gerne.
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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