Im Sitzen, im Liegen oder sogar ganz entspannt beim Gehen: Das Stillen ist genau so vielfältig wie der Alltag mit Baby selbst. Wichtig ist dabei, dass es nicht die eine perfekte Stillposition gibt. Vielmehr könnt ihr aus ganz verschiedenen Positionen wählen. Je nach Situation, Körpergefühl und den Bedürfnissen eures Babys.
In diesem Beitrag stellen wir euch fünf bequeme Stillpositionen inklusive Anleitungen und Bildern vor und zeigen euch, worauf ihr dabei jeweils achten dürft.
Warum verschiedene Stillpositionen?
Es gibt nicht die eine Stillposition, die für jede Mama, jedes Baby und in jeder Situation perfekt funktioniert. Denn so individuell wie dein Baby ist auch eure ganz persönliche Stillbeziehung zueinander. Genau deshalb ist es so wertvoll, verschiedene Positionen zu kennen und auszuprobieren. So kannst du immer wieder diejenige finden, die sich gerade am besten anfühlt und zu den Bedürfnissen von dir und deinem Baby passt.
Die Stillposition anzupassen kann außerdem dabei unterstützen, bestimmte Stillprobleme schneller wieder loszuwerden. Dazu gehören zum Beispiel:
Wichtig: Das gezielte Anpassen der Stillposition kann hier unterstützend wirken und in bestimmten Fällen sogar den entscheidenden Unterschied machen. Trotzdem ist es nie eine Garantie. Solltest du anhaltende Stillprobleme haben, empfehlen wir dir, Unterstützung bei deiner Hebamme, einem Arzt/einer Ärztin oder einer Stillberatung zu suchen.
Tipps beim Stillen
Bevor wir dir die einzelnen Positionen vorstellen, möchten wir dir ein paar allgemeine Tipps fürs Stillen geben. Sie gelten für jede Stillposition. Überprüfe sie deshalb gerne vor bzw. während jeder Stillmahlzeit:
- Körperkontakt: Dieser kann nicht nur eure Bindung stärken, sondern auch die Milchbildung aktiv anregen. Deshalb ist enger Körper-/Hautkontakt (z.B. Bauch zu Bauch) besonders wichtig.
- Die Wirbelsäule deines Babys sollte nie verdreht sein. Achte darauf, dass sie immer eine gerade Linie bildet.
- Der Blick deines Babys sollte frontal zu deiner Brust schauen. Die Nase liegt beim Anlegen also am besten direkt an der Brustwarze. So muss dein Baby sein Köpfchen nicht verdrehen.
- Der Kopf deines Babys ist leicht nach hinten geneigt. So kann es besser saugen.
- Das Kinn und die Nase deines Babys berühren während des Stillens deine Brust. Seine Lippen sollten nach außen gestülpt sein.
Hebammentipp
Ein oft unterschätzter Tipp vor dem Stillen: Durchatmen. Besonders, wenn das Stillen (im Moment) nicht so gut klappt, kann das unglaublich kräftezehrend sein. Und das kann auch dein Baby spüren. Versuche deshalb, dir vor dem Stillen einen Moment für dich zu nehmen, etwas herunterzukommen und dich ganz auf dein Baby zu konzentrieren. Schnappe dir zum Beispiel dein Lieblingsgetränk oder schaue dir Bilder von deinem Baby an. Egal wie: Tue dir etwas Gutes und versuche, mit einem möglichst positiven Gefühl an das Stillen heranzutreten.
Ist mein Baby richtig angelegt?
Achte beim Stillen auf folgende Zeichen, damit dein Baby gut angelegt ist:
- Dein Baby hat einen großen Teil des Warzenhofs im Mund.
- Seine Lippen sind nach außen gestülpt.
- Du hörst oder siehst regelmäßige Schluckbewegungen bei deinem Baby.
- Das Saugen wirkt rhythmisch und entspannt.
Viele weitere Tipps und Tricks fürs Anlegen findest du hier in einem eigenen Beitrag.
Die Stillpositionen
Wiegehaltung
Sie ist der Klassiker unter den Stillpositionen und wird häufig im Alltag verwendet. Und das aus gutem Grund: Sie ist in der Regel überall gut anwendbar, z.B. zuhause, im Auto oder in einem Restaurant, und bietet dir einen freien Blick auf dein Baby. So kannst du sicherstellen, dass es richtig angelegt ist und gut trinkt.

So geht’s:
- Setze dich aufrecht und bequem hin.
- Wähle eine Brust zum Anlegen aus und lege dein Baby auf dieser Seite seitlich in deinen Unterarm. Sein Köpfchen ist dabei in deiner Ellenbeuge.
- Nimm deine Brust mit der freien Hand in den C-Griff und unterstütze dein Baby so beim Andocken.
Optional: Lege ein Kissen unter deinen Arm auf deinen Schoß, wenn sich das für dich bequemer anfühlt.
Und hier nochmal als ausführliches Video:
Zurückgelehntes Stillen
Eine leichte Abwandlung des Wiegegriffs ist das zurückgelehnte Stillen. Das Besondere: Hier sitzt die Mama nicht aufrecht, sondern leicht nach hinten gelehnt. Dadurch trinkt das Baby gegen die Schwerkraft. Diese Position ist daher besonders hilfreich, wenn sich das Baby aufgrund von zu viel Milch oft verschluckt. Auch wenn das Greifen der Brustwarze noch nicht so gut klappt, kann diese Stillposition unterstützen.
Befolge hier die Anleitung des Wiegegriffs und lehne dich in Schritt 1 mit dem Oberkörper zusätzlich leicht nach hinten. Tipp: Ein Kissen oder eine leichte Decke im Rücken kann auch hier helfen, es noch gemütlicher zu machen.

Rückenhaltung
Sie wird auch als ‘Footballhaltung’ bezeichnet und kann vor allem hilfreich sein, wenn …
- du eine Bauchgeburt hattest
- dein Baby als Frühchen auf die Welt kam
- dein Baby sehr schläfrig ist
- dein Baby etwas mehr Unterstützung beim Anlegen benötigt
- du gerade einen Milchstau hast
- du zwei Kinder parallel stillen möchtest
- du große Brüste hast
So geht’s:
- Setze dich aufrecht und bequem hin.
- Lege ein (Still-)kissen neben dich, sodass du dein Baby damit auf Brusthöhe bringen kannst.
- Lege dein Baby auf dem Kissen ab: Positioniere es so, dass sein Bauch an der Seite deines Körpers liegt und die Füßchen nach hinten zeigen.
- Führe deinen Arm (auf der Seite, auf der du stillst), seitlich unter dein Baby und stütze sein Köpfchen mit deiner Hand.
- Mit der anderen Hand kannst du deine Brust im C-Griff greifen und dein Baby so beim Andocken unterstützen.

Keine Sorge, das klingt komplizierter, als es ist. Hier zeigen wir dir die Rückenhaltung noch mal in einem Video:
Hebammentipp
Wusstest du schon: In der Stillzeit solltest du, vor allem in den ersten vier Wochen, auf Duftstoffe bei Duschgel, Bodylotion & Co. komplett verzichten. Denn so kann dein Baby erst einmal deinen ganz eigenen natürlichen Geruch kennenlernen. Außerdem ist die Babyhaut noch sehr empfindlich, wodurch Duftstoffe unerwünschte Hautreaktionen oder sogar eine Allergie hervorrufen könnten. Verwende deshalb am besten Pflegeprodukte ohne Parfüme.
Stillen im Liegen
Das Stillen im Liegen ist eine sehr gemütliche Position. Besonders, wenn du nachts stillen und währenddessen etwas schlummern möchtest. Und auch wenn du eine Bauchgeburt hattest oder nach der Geburt noch nicht lange sitzen kannst, kann diese Stillposition sehr schonend sein.
Wichtig: Auch wenn du beim Stillen im Liegen schläfrig oder müde bist, solltest du zuvor immer einen aufmerksamen Blick auf eure Umgebung werfen. So stellst du sicher, dass dein Kind, auch wenn du einschläfst, sicher ist. Achte darauf, dass dein Baby auf einer sicheren Schlafumgebung liegt und keine Kissen, Decken oder andere Gegenstände sein Gesicht bedecken können. Hast du das überprüft, kannst du auch schon mit dem Stillen loslegen:

- Lege dich bequem auf eine Seite.
- Positioniere dein Baby nah an deinem Körper, sodass ihr Bauch an Bauch liegt.
- Bringe den Mund deines Babys auf die Höhe deiner Brustwarze.
- Stütze den Rücken deines Babys mit deinem Arm, einem Kissen oder einem gerollten Handtuch.
- Jetzt kannst du dein Baby andocken lassen.
Optional: Ein Kissen zwischen deinen Beinen kann diese Position für dich noch bequemer machen.
Und hier siehst du das Stillen im Liegen nochmal in einem ausführlichen Video:
Hebammentipp
Wunde Brustwarzen? Damit bist du nicht allein! Gerade in den ersten Wochen kann das Stillen die Brust ganz schön beanspruchen. Deshalb haben wir unser HALLOHEBAMME Brustwarzen Öl entwickelt: Es unterstützt die Regeneration wunder und trockener Brustwarzen und das bis in die feinsten Rillen. Außerdem sorgt es für eine sanfte und beruhigende Pflege und muss vor dem nächsten Stillen nicht abgewaschen werden. 🧡
Hoppe-Reiter-Sitz
Das Stillen im ‘Hoppe-Reiter-Sitz’ wird auch ‘Bergauf-Stillen’ genannt, da das Baby hier in einer aufrechten Position sitzt. Diese Stillposition ist besonders geeignet für ältere Babys, die ihren Kopf bereits gut kontrollieren können.
So geht’s:
- Setze dich aufrecht und bequem hin.
- Setze dein Baby mit gespreizten Beinen auf eines deiner Beine. Sein Körper ist dir zugewandt und sein Mund etwa auf der Höhe deiner Brustwarze.
- Stabilisiere den Rücken und Nacken deines Babys mit deinen Händen.
- Jetzt kannst du dein Baby andocken lassen.

Hebammentipp
Mit einer kleinen Abwandlung kannst du den Hoppe-Reiter-Sitz auch schon ab der Geburt anwenden: Stille dein Baby, während es in einem Tragetuch oder einer Tragehilfe sitzt. Das ist besonders unterwegs wirklich praktisch. Achte dabei aber immer darauf, dass dein Baby sicher positioniert ist und seine Atemwege jederzeit frei bleiben. Und nicht verzweifeln, wenn es nicht direkt klappt: Besonders am Anfang erfordert der Hoppe-Reiter-Sitz einfach ein wenig Übung.
Stillkissen
Ein Stillkissen kann eine sehr wertvolle Ergänzung beim Stillen sein. Bei ihm handelt es sich um ein langes, C-förmiges Kissen, das in der Regel mit kleinen Perlen aus Kunststoff befüllt ist. Beim Stillen kann es zum Beispiel dabei helfen, das Baby auf Brusthöhe zu bringen und die Arme, Schultern und den Rücken der Mama zu entlasten. Das kann die jeweilige Stillposition, besonders bei längeren Stillmahlzeiten, noch angenehmer machen.
Meist legt sich dafür die Frau das Stillkissen mit der Öffnung nach hinten um den Bauch. Du kannst es aber ganz nach deinen Bedürfnissen einsetzen und bei den verschiedensten Stillpositionen verwenden. Wichtig ist, dass es sich für dich bequem anfühlt.

Hebammentipp
Du nutzt bereits ein Stillkissen? Dann weißt du vielleicht, wie unpraktisch es ist, damit zu verreisen. Unser Tipp: Packe nur den Bezug ein. Ihn kannst du vor Ort ganz einfach mit Handtüchern oder einer leichten Decke befüllen. So musst du auf Reisen nicht auf dein Stillkissen verzichten, sparst aber wertvollen Platz im Gepäck. Wichtig: Denk’ dran, vor der Abreise wieder alles herauszunehmen. 😉
Nun kennst du fünf Stillpositionen und weißt, worauf du bei ihnen achten darfst. Wichtig ist, dass es nicht die eine perfekte Stillposition gibt. Vielmehr zählt, dass ihr euch wohlfühlt und es möglichst gemütlich habt. Je nach Situation und euren individuellen Bedürfnissen kann es hilfreich sein, immer wieder zwischen verschiedenen Positionen zu wechseln. Scheue also nicht davor zurück! Vertraue auf dein Gefühl und genieße diese besonderen Momente zwischen dir und deinem Baby. 🧡
Hebammentipp
Huch?! Nach dem Stillen ist etwas Milch auf der Haut deines Babys eingetrocknet? Das kann immer mal passieren und ist vollkommen unbedenklich! Schnapp dir einfach ein Tuch, befeuchte es mit warmem Wasser und entferne die Rückstände sachte. Bei hartnäckigeren Milchresten kann unsere Sanfte Reinigung unterstützen.
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ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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Hallo liebes HalloHebamme Team,
vielen Dank für den tollen Blog und die vielen interessanten Beiträge! Die Tipps sind sehr hilfreich! Für werdende Mütter ist besonders auch das Thema zur richtigen Stillposition sehr nützlich. In dem Zusammenhang wäre es noch interessant zu wissen, ob für Mamis mit einer Brustvergösserung das Stillen mit Brustimplantat problematisch sein kann? Könntet ihr darüber vielleicht einmal einen Beitrag schreiben?
Liebe Grüsse
Hallo,
vielen Dank für den Input. Das nehmen wir gerne mal mit.
Liebe Grüße
Anja und Marie
Hallo
Ich versteh die Footballposition nicht ganz.
Wenn ich aufrecht sitze mit „normal“ großer Brust liegt mein Baby mit einem Kissen oder Stillkissen auf Höhe meiner Taille….nicht auf Brusthöhe…
Versteh also nicht ganz wie das ohne 3-4Kissen (instabil!) funktionieren sollte.
Ausserdem (mein Baby ist 3Wochen alt) wenn ihr Popo an der Rueckenlehne ankommt ist ihr Kopf ça 15cm vor meiner Brust….(Abstand Ruecken – Brust bei nicht adipöser Figur ça 20-25cm)???
Habt ihr Tipps wies trotzdem klappen koennte?
Hey Andrea,
lass dich dazu gerne nochmal individuell von deiner Hebamme beraten oder wende dich an eine Stillberatung. So aus der Ferne können wir dir leider nicht weiterhelfen.
Alles Liebe für dich 🙂
Anja und Marie