Dein Baby ist beim Anlegen unruhig, weint oder dreht den Kopf immer wieder zur Seite weg. Für viele stillende Mamas ist das eine sehr belastende Situation, für die sie sich manchmal sogar selbst die Schuld geben. Hinter dieser Reaktion des Babys steckt oft ein sogenannter Stillstreik oder eine Brustverweigerung. Und eins direkt vorweg: Keine der beiden bedeutet, dass dein Kind dich nicht mehr mag!
In diesem Beitrag erklären wir dir, welche Anzeichen und Ursachen es gibt und mit welchen Tipps und Tricks du die Stillbeziehung zu deinem Baby wieder unterstützen kannst.
Der Stillstreik und die Brustverweigerung sind zwei ähnliche Situationen, die aber in unterschiedlichen Phasen der Stillzeit auftreten können:
Die Brustverweigerung
Eine Brustverweigerung kann bereits in den ersten Lebenstagen und -wochen auftreten, wenn ihr euch erst noch Schritt für Schritt gemeinsam in das Stillen reinfindet. Gerade in dieser frühen Phase ist eine Brustverweigerung keine Seltenheit.
Der Stillstreik
Der Stillstreik, auch Brustschimpfphase genannt, beschreibt das Verweigern der Brust nach einer Zeit, in der das Stillen ohne Probleme geklappt hat und etabliert ist. In der Regel tritt er in einem Alter von etwa 6 Monaten auf, kann aber grundsätzlich jederzeit stattfinden.
So erkennst du einen Stillstreik oder eine Brustverweigerung
Folgende Anzeichen bei deinem Baby können ein Hinweis auf einen Stillstreik bzw. eine Brustverweigerung sein:
- Es weint, schreit oder ist unruhig beim Anlegen
- Es dreht den Kopf von der Brust weg
- Es saugt nur kurz oder unterbricht immer wieder
- Es stößt sich richtig von der Brust ab
Das kann dazu führen, dass dein Kind gar nicht oder nur ganz wenig trinkt. Dadurch ist es nach dem Stillen noch nicht ganz satt und wirkt unzufrieden oder zappelig.
Ein Stillstreik bzw. eine Brustverweigerung betrifft in der Regel nur eine Brust. Es kann aber auch vorkommen, dass du die Anzeichen auf beiden Seiten feststellst und dein Baby beide Seiten verweigert.
Die Ursachen
Für einen Stillstreik oder eine Brustverweigerung gibt es ganz unterschiedliche Ursachen. Mögliche Auslöser können sein:
- Eine hektische oder unruhige Umgebung
- Zeitdruck beim Stillen
- Stress oder Anspannung bei der Stillenden
- Viele Eindrücke für das Baby (z.B. viele Termine oder Aufgaben an einem Tag)
- Viel Besuch oder ‘Herumreichen’ des Kindes
- Milchstau
- Eine zu hohe oder zu niedrige Milchmenge
- Brustentzündung
- Wachstumsschub
- Entwicklungsschub
- Ein Parfüm
- Eine Bodylotion oder ein Duschgel mit intensivem Geruch
- Desinfektionsmittel
- Früher Einsatz von Saugern
- Anatomische Besonderheiten beim Baby (z.B. ein kurzes Zungenbändchen)
Das kannst du beim Stillstreik oder der Brustverweigerung tun
Ein Stillstreik oder eine Brustverweigerung kann für dich als stillende Mama sehr bedrückend sein, das wissen wir. Versuche trotzdem, ruhig zu bleiben und die Geduld nicht zu verlieren. Genau wie beim Stillbeginn braucht es oft einfach etwas Zeit, bis das Problem verschwindet und ihr wieder in euer Gleichgewicht findet. Folgende Tipps können dich in dieser Phase unterstützen:
- Ursache: Überprüfe, ob du das Verhalten deines Babys auf einen der oben genannten Gründe zurückführen kannst. In manchen Fällen steckt etwas ganz simples dahinter, was du schnell beheben kannst. Hast du vielleicht eine Bodylotion oder ein Duschgel mit intensivem Geruch verwendet? Dann kannst du einfach auf ein parfümfreies Produkt wechseln. Tipp: Unsere 3in1 Duschcreme vereint Körper-, Intimpflege und Bodylotion in einem und ist komplett frei von Parfüm.
- Umgebung: Stille dein Baby am besten in einer möglichst ruhigen Umgebung. Dadurch prasseln nicht so viele Eindrücke auf euch ein und dein Baby wird beim Trinken nicht abgelenkt. Auch dir kann ein ruhiges Umfeld dabei helfen, zu entspannen und Stress zu reduzieren. Falls das aber gerade nicht möglich ist, kann es helfen, dein Baby ein wenig vor äußeren Reizen abzuschirmen. Dazu kannst du zum Beispiel einen Stillschal* oder ein Moltontuch verwenden.
- Hungerzeichen: Achte auf die Hungerzeichen deines Babys. Bemerkst du diese, solltest du frühzeitig mit dem Stillen beginnen. Denn großer Hunger bei deinem Kind kann das Stillen erschweren.
- Milchspendereflex: Es kann helfen, den Milchspendereflex schon vor dem Stillen anzuregen. Das schaffst du zum Beispiel mit einer kurzen Brustmassage.
Hebammentipp
Damit dein Baby direkt auf den Geschmack kommt, kannst du ein paar Tropfen Muttermilch auf deiner Brustwarze und dem Warzenvorhof verteilen. Das geht ganz einfach, indem du deine Brust nach der Brustmassage noch etwas ausstreichst. Eine Anleitung für die Brustmassage und das Ausstreichen findest du hier:
- Bonding: Kuscheln vor und nach dem Stillen mit direktem Hautkontakt stärkt nicht nur eure Bindung, sondern kann dir auch mental dabei helfen, runterzukommen und etwas Kraft zu sammeln.
- Rituale: Feste Rituale abseits des Stillens helfen dabei, dass euch die Still-Situation nicht zu sehr einnimmt. Dazu kannst du deinem Baby zum Beispiel etwas vorlesen, es massieren oder gemeinsam mit ihm Baden gehen.
- Schnuller & Sauger: Am besten ist es, wenn du sie weglässt, bis sich das Stillen bei euch etabliert hat. Denn gerade am Anfang der Stillbeziehung können sie Probleme noch verschlimmern.
- Milchmenge reduzieren: Wenn du zu viel Milch hast, kann sie deinem Baby unter Umständen sehr schnell in den Mund fließen und dazu führen, dass es sich verschluckt. In diesem Fall kannst du deine Brust schon vor dem Stillen etwas leeren. Streiche sie dazu zum Beispiel aus, so wie du es im Video oben siehst.
Hebammentipp
Auch ein kleiner Trick bei deiner Stillposition kann helfen, wenn dein Baby Schwierigkeiten wegen einer zu hohen Milchmenge hat. Versuche einfach, dich beim Stillen zurückzulehnen. Dadurch fließt die Milch etwas langsamer, dein Baby trinkt gegen die Schwerkraft und verschluckt sich nicht so leicht.
- Milchmenge steigern: Hast du wiederum zu wenig Milch, ist dein Baby nach dem Stillen vielleicht nicht richtig satt, unzufrieden und verweigert deshalb die Brust. Der beste Weg, um deine Milchmenge zu erhöhen, ist es, dein Baby häufig anzulegen. Denn die Milchproduktion passt sich der Nachfrage an, das heißt je häufiger die Brust entleert wird, desto mehr wird die Milchproduktion angeregt.
Hebammentipp
Wenn häufigeres Anlegen bei euch nicht funktioniert, kannst du die Milchmenge auch auf andere Wege steigern. Helfen kann zum Beispiel das Abpumpen von Muttermilch oder das Ausstreichen deiner Brust. Was du sonst noch tun kannst, erfährst du in diesem Beitrag.
- Zeitpunkt: Stille dein Baby, wenn es müde oder bereits ein wenig schläfrig ist. In diesem Zustand nimmt es die Brust oft etwas besser an.
Wenn der Stillstreik/die Brustverweigerung länger anhält
Ein Stillstreik oder eine Brustverweigerung betrifft oft nur einzelne Stillmahlzeiten, kann aber auch über längere Zeit anhalten. Wenn das der Fall ist, ist es wichtig, dass dein Baby trotzdem gut versorgt ist und du deine Brust selbst entleerst. Denn indem du die Muttermilch entnimmst, beugst du einem Milchstau vor und hältst die Milchbildung für die Zeit danach aufrecht. Außerdem kannst du deinem Baby so auch während des Strillstreiks oder der Brustverweigerung Muttermilch geben. Um die Brust zu entleeren, kannst du sie entweder ausstreichen oder eine Milchpumpe verwenden.
Während einer längeren Phase, in der dein Baby die Brust verweigert, empfehlen wir dir trotzdem, es immer wieder zu versuchen. Manchmal löst sich das Problem von ganz allein und das Stillen funktioniert von einem auf den anderen Moment wieder. Biete deinem Baby also, auch wenn es schwer fällt, bei jeder Stillmahlzeit zuerst die Brust an. Es ist aber auch völlig in Ordnung, wenn du zwischendurch mal einen Tag pausierst. So kannst du etwas durchatmen, Kraft sammeln und dir eine kurze Ruhephase gönnen. Achte dann aber darauf, dass du deine Brust in dieser Zeit selbst regelmäßig entleerst und dein Baby auf einem anderen Weg mit Milch versorgt wird.
Egal, wie lange der Stillstreik oder die Brustverweigerung anhält: Bei der stillenden Mama sorgen diese Situationen oft für Frustration, Selbstzweifel und Schuldgefühle. Wichtig ist: Weder du hast Schuld daran noch trinkt dein Kind nicht, weil es dich nicht mehr mag! Probleme beim Stillen sind etwas ganz Natürliches und betreffen viele Frauen früher oder später. In keinem Fall sind sie ein Zeichen von Versagen oder Scheitern. Scheue deshalb auch nicht davor zurück, dir bei Fragen oder Unsicherheiten Rat bei deiner Hebamme, einem Kinderarzt/einer Kinderärztin oder einer Stillberatung zu holen. Genau für solche Fälle sind sie da und helfen dir jederzeit gerne.
Zeit zum Abstillen?
Ein Stillstreik oder eine Brustverweigerung führt häufig zu der Frage, ob es vielleicht Zeit zum Abstillen ist. Dass das Abstillen immer näher rückt, kann dein Baby dir zum Beispiel dadurch signalisieren, dass es den Kopf beim Anlegen abwendet oder sich von der Brust wegdrückt. Diese Signale sind also sehr ähnlich zu den Anzeichen eines Stillstreiks oder einer Brustverweigerung. Ein wichtiger Hinweis kann daher auch der Zeitpunkt sein, zu dem dieses Verhalten auftritt: Der Stillstreik und die Brustverweigerung treten oft eher plötzlich auf und können auch schon bei sehr kleinen Babys vorkommen. Die Signale für das Abstillen entwickeln sich dagegen oft eher schrittweise und wenn das Baby schon älter ist. Um nicht aus den falschen Gründen abzustillen, ziehst du am besten deine Hebamme oder eine Stillberatung zu Rate, wenn du dir unsicher bist.
Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag ein wenig Klarheit über die Brustverweigerung und den Stillstreik gibt und dir zumindest ein wenig Druck von den Schultern nimmt. So eine Phase kann für dich und dein Baby sehr herausfordernd sein und viel Kraft fordern. Versuche aber, sie als das zu betrachten: Eine Phase, die vorübergeht. Es braucht oft einfach Zeit, bis ihr wieder in euren Rhythmus findet. Sei deshalb nicht so hart zu dir selbst und gib dir vor allem nicht selbst die Schuld an der Situation. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt: Ihr werdet euren Weg finden und diese Phase gemeinsam meistern.
*Affiliate Link
9 Kommentare
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
FOLGE UNS AUF DEINER LIEBLINGS-PLATTFORM


Hallo ihr Lieben!
Besteht denn noch Hoffnung, wenn es jetzt im 4. Monat passiert?
Der Trick mit dem erst einschlafen und dann an die Brust, klappt nur bedingt. Entweder saugt mein Kleiner nur sehr kurz oder er wacht auf und fängt wieder an zu weinen.
Leider muss ich deswegen zufüttern, sonst ist er nur am weinen.
Eine Stillberaterin hat mir jetzt gesagt, dass es so gut wie zu spät ist, da keine Stimulation vom Kind mehr kommt.
Ich pumpe zwar mehrmals am Tag, alle 3 Std. ab, aber da kommt nicht mehr viel.
Und das er jetzt zu groß ist um wieder ran zu gehen, da er nun weiß, dass es an der Flasche leichter geht.
Lohnt es sich weiter abzupumpen oder wird es sowieso nicht mehr mehr werden, da das Kind nicht mehr dran möchte??
Verzweifelte Grüße, Mandy
Hallo ihr Lieben!
Ich habe leider seit geraumer Zeit genau dieses Problem. Mein Kleiner ist jetzt 4 Monate alt. Sobald ich ihn anlegen möchte, dreht er sich weg und fängt an zu weinen. Ich muss dazu sagen, dass ich deshalb schon eine Weile zufüttern muss. Sonst bekomme ich ihn weder satt noch beruhigt.
Ich hatte jetzt noch einmal mit einer Stillberaterin gesprochen, die aber meint, dass es so gut wie zu spät ist. Er wäre schon zu neugierig und lässt sich durch seine Umgebung ablenken.
Ich pumpe täglich ab, aber es kommt sichtlich immer weniger. Sie meint, dass die Stimulation vom Kind fehlt um die Milch zu bilden. Da er nicht trinken möchte.
Ist das Richtig? Ist es quasi schon zu spät??
Liebe Grüße Mandy
Liebe Mandy,
aus der Entfernung ist eine Beratung und Beurteilung eurer Situation leider nur schwierig möglich. Du solltest auf die Meinung deiner Stillberaterin vertrauen und dich bei Bedarf auch gegebenenfalls noch einmal an sie wenden. Sie kennt dich und eure gesamte Situation einfach besser und kann dir dadurch individuell helfen.
Wir wünschen euch alles liebe.
Meine Tochter ist 6 Monate alt und sie verweigert zurzeit die brust
Mein Kleiner ist mal mit 10 Monaten in den Stillstreik getreten, weil er eine Mittelohrentzündung hatte. Dann ist wohl das Saugen an der Brust sehr schmerzhaft für die Babys. Vielleicht könnte man das noch ergänzen?
Danke für deinen Kommentar und die Ergänzung 🙂
Guten Abend,
ich hatte auch eine Brustverweigerung meines Sohnes. Ich habe dann die Stillposition gewechselt und seitdem trinkt er ganz genüsslich – das war ein guter Tipp einer Stillberaterin :-).
Lg
Kathi
Hallo zusammen mein kleiner ist 5 Monsate
Und er weigert seit heute morgen meine brust er dret sich weg er weint ich kann ihn nich richtig beruhigen könnt ihr mir bitt helfen was er hatt ich weis einfach nicht weiter
Hey,
es kann sich um einen Stillstreik handeln, wie er im Beitrag beschrieben ist. Eine individuelle Beratung können wir dir aber leider nicht geben. Wende dich am besten an deine Hebamme oder eine Stillberatung, sie helfen dir immer gerne.
Liebe Grüße und alles Gute! ❤️