Die Plazenta spielt während der Schwangerschaft eine ganz besondere Rolle: Sie versorgt dein Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen und unterstützt es bei seiner Entwicklung. Umso mehr kann es die Eltern verunsichern, wenn bei einer Ultraschalluntersuchung plötzlich der Begriff Plazenta praevia fällt.
In diesem Beitrag erklären wir dir verständlich, was dahintersteckt und was eine Plazenta praevia für die Schwangerschaft und die Geburt bedeuten kann.
Hinweis: Eine Plazenta praevia ist eine ernste Diagnose und erfordert immer medizinische Begleitung. Besonders, wenn du selbst betroffen bist, kann dieser Beitrag zunächst beunruhigend wirken. Lies’ ihn deshalb in deinem Tempo.
Was ist eine Plazenta praevia?
Die Plazenta sitzt üblicherweise im oberen Bereich der Gebärmutter. Dadurch ist genug Platz zum Muttermund und der Geburtsweg bleibt frei für dein Baby. Bei einer Plazenta praevia sitzt die Gebärmutter dagegen etwas tiefer. Dabei kann sie …
- in der Nähe des Muttermunds liegen.
- den Muttermund berühren.
- den Muttermund teilweise bedecken.
- den Muttermund vollständig bedecken.
Je nachdem, wo genau die Plazenta liegt, werden verschiedene Stufen unterschieden: Von einer tiefsitzenden Plazenta bis hin zu einer vollständigen Plazenta praevia.

Ursachen einer Plazenta praevia
Bereits in den ersten Tagen der Schwangerschaft nistet sich die Plazenta in der Gebärmutter ein. Wenn die Gebärmutter dann wächst, ‘wandert’ die Plazenta mit und entfernt sich weiter vom Muttermund. Bei einer Plazenta praevia bleibt die Plazenta jedoch in ihrer tiefen Position. Woran das liegt, kann oft nicht eindeutig festgestellt werden. Folgende Faktoren können das Risiko für eine Plazenta praevia aber erhöhen:
- frühere Eingriffe an der Gebärmutter (z.B. eine Bauchgeburt oder Ausschabung)
- Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut
- höheres Alter der Mama
- mehrere vorangegangene Geburten
- Eine Mehrlingsschwangerschaft
- Rauchen
Wichtig: Trifft einer/mehrere Faktoren bei dir zu, heißt das nicht, dass du automatisch eine Plazenta praevia bekommst. Zudem kann eine Plazenta praevia umgekehrt auch ganz ohne erkennbare Risikofaktoren auftreten.
Die Diagnose
Insgesamt ist eine Plazenta praevia eher selten und betrifft ca. 0,5 % aller Schwangeren. Dabei haben viele Frauen zunächst keine Beschwerden. Im weiteren Verlauf können dann vaginale Blutungen und manchmal auch Krämpfe auftreten. Das liegt daran, dass sich der untere Bereich der Gebärmutter, besonders gegen Ende der Schwangerschaft und bei Kontraktionen, weiter ausdehnt. Dadurch kann sich die Plazenta teilweise von ihrer Haftstelle lösen, wodurch kleine Risse und damit auch Blutungen entstehen können.
Typische Merkmale einer solchen Blutung sind:
- Sie tritt plötzlich auf
- Sie ist meist schmerzlos
- Sie ist hellrot
- Sie tritt häufig im 2. oder 3. Trimester auf
- Es gibt oft keine erkennbare Ursache
Wichtig: Blutungen in der Schwangerschaft sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Hebammentipp
Bemerkst du eine Blutung, atme zunächst tief durch und versuche möglichst ruhig zu bleiben. Wichtig ist jetzt, dass du die Blutung ganz genau beobachtest: Wie ist ihre Farbe, Stärke und Dauer? Mache auch ruhig ein Foto oder eine kurze Notiz. Das hilft deinem Arzt/ deiner Ärztin, die Situation schnell einzuordnen und dich bestmöglich zu unterstützen.
Ob die Plazenta tatsächlich tiefer liegt als gewöhnlich, kann dann mit einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden.
Kann die Plazenta noch wandern?
Ja! Und das ist eine ganz wichtige und oft beruhigende Information. Besonders in der frühen Schwangerschaft wird recht häufig festgestellt, dass die Plazenta tiefer sitzt. Oft wird der Abstand zum Muttermund aber wieder größer, sobald die Gebärmutter weiter wächst. Aus einer tiefsitzenden Plazenta entsteht also nicht immer eine Plazenta praevia. Deshalb wird die sichere Diagnose meist erst um die 24. SSW gestellt. Bis dahin wird die (tiefsitzende) Plazenta regelmäßig kontrolliert.
Schwangerschaft mit einer Plazenta praevia
Wie stark eine Plazenta praevia die Schwangerschaft beeinflusst, hängt sehr davon ab, wie ausgeprägt sie ist. In der Regel wird aber empfohlen:
- sich körperlich zu schonen
- auf Geschlechtsverkehr zu verzichten
- keine routinemäßigen vaginalen Untersuchungen durchzuführen (außer, sie sind medizinisch notwendig)
- aufmerksam auf mögliche Blutungen zu achten
Diese Maßnahmen können dabei helfen, die Plazenta zu entlasten und weitere Reizungen möglichst zu vermeiden. Die Behandlung wird aber immer auf die individuelle Situation abgestimmt. Eine wichtige Rolle spielen dabei zum Beispiel der genaue Befund, die SSW sowie die individuellen Beschwerden.
Je nach Verlauf können auch folgende Schritte notwendig werden:
- Engmaschigere Kontrollen, um die Gesundheit von Mama und Baby aufmerksam zu überwachen.
- Ein stationärer Aufenthalt, um Veränderungen direkt erkennen und die passenden Maßnahmen einleiten zu können.
- Bluttransfusionen, wenn stärkere Blutungen auftreten. Sie helfen dabei, den Blutverlust auszugleichen.
- Medikamente zur Beruhigung der Gebärmutter oder Maßnahmen, die die Lungenreifung des Babys unterstützen. Besonders, wenn ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt besteht, können diese Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll sein.
Wichtig: Mit einer guten medizinischen Begleitung und bei Beachtung der empfohlenen Maßnahmen erleben viele Frauen auch mit Plazenta praevia eine stabile Schwangerschaft und bringen ein völlig gesundes Baby zur Welt. Versuche deshalb, dich nicht allzu sehr verunsichern zu lassen. Und wenn du Fragen oder Ängste hast, kannst du dich damit jederzeit an deine Hebamme oder einen Arzt/eine Ärztin wenden.
Die Geburt mit einer Plazenta praevia
Die Geburt und ihre Planung hängen vor allem davon ab, wie die Plazenta genau liegt und wie sie sich im Laufe der Schwangerschaft entwickelt.
Bei einer tiefsitzenden Plazenta, die den Muttermund nicht bedeckt, kannst du dein Baby unter bestimmten Voraussetzungen vaginal zur Welt bringen.
Bei einer Plazenta praevia, die den Muttermund teilweise oder ganz bedeckt, wird hingegen meist eine Bauchgeburt geplant. Das liegt daran, dass die Plazenta in diesem Fall im Bereich des Geburtswegs liegt. Dadurch kann das Baby diesen nicht passieren. Wann die Bauchgeburt stattfindet, wird dabei ganz sorgfältig entschieden. Das Ziel ist es, dem Baby möglichst viel Zeit für seine Entwicklung zu geben und gleichzeitig das Risiko für eine strake Blutungen gering zu halten.
Bei einer ausgeprägten Plazenta praevia wird die Bauchgeburt zudem in einer Klinik. geplant, die die nötige geburtshilfliche und kinderärztliche Versorgung bereitstellen kann. Je nach Befund kann auch die Betreuung in einem Perinatalzentrum sinnvoll sein.
In akuten Notfallsituationen, z.B. bei starken oder nicht kontrollierbaren Blutungen, kann es notwendig werden, das Baby unmittelbar per Bauchgeburt auf die Welt zu bringen. Auch wenn eine solche Situation für die Schwangere und ihre Angehörigen oft sehr belastend und beängstigend ist, steht dabei stets das Wohl von Mama und Baby im Vordergrund. Ziel ist es, schnell zu handeln und die größtmögliche Sicherheit für beide zu gewährleisten.
Hebammenhinweis
Die Geburtsplanung wird immer individuell auf dich und dein Baby abgestimmt. Auch ist sie nicht von Anfang an in Stein gemeißelt: Im Verlauf der Schwangerschaft wird die Plazenta regelmäßig beobachtet und die Planung bei Bedarf an Veränderungen und neue Befunde angepasst.
Die Diagnose Plazenta praevia kann verunsichern, Sorgen auslösen und manche Pläne oder Erwartungen verändern. All diese Gefühle sind nachvollziehbar und völlig in Ordnung. Gleichzeitig lohnt es sich, den Blick darauf zu richten, dass viele Frauen mit einer Plazenta praevia eine stabile Schwangerschaft erleben und ein gesundes Baby zur Welt bringen. Jede Schwangerschäft verläuft anders. Und auch wenn der Weg mit Plazenta praevia oft mehr Geduld, Aufmerksamkeit und Vertrauen erfordert, darf auch Raum für Freude und Zuversicht sein. 🧡
Schon für unseren kostenlosen HALLOHEBAMME Newsletter angemeldet? 🧡
Hol’ dir spannende Infos rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett & Babyzeit mit persönlichen Hebammentipps und exklusiven Einblicken direkt in dein Postfach! 💌
Weitere nützliche Infos rund um euer Baby
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
FOLGE UNS AUF DEINER LIEBLINGS-PLATTFORM

