Egal ob beim Milcheinschuss, einem Milchstau oder um Kolostrum zu gewinnen: Das Ausstreichen der Brust kann in vielen Situationen wirklich hilfreich sein. Wenn auch du deine Brust ausstreichen möchtest und noch unsicher bist, wie genau das funktioniert, ist dieser Beitrag genau das Richtige für dich.
Wir verraten dir, wie du die Brust richtig ausstreichst, wann das sinnvoll sein kann und wie du die gewonnene Muttermilch verwenden kannst.
Warum ausstreichen?
In der Stillzeit pendelt sich meist ein gutes Gleichgewicht zwischen dem Bedarf deines Babys und deiner Milchmenge ein. Manchmal gerät dieses Gleichgewicht aber etwas aus dem Takt (wann genau, kannst du weiter unten lesen). Dadurch können Probleme entstehen, die sich für die Stillende unangenehm oder vielleicht sogar schmerzhaft anfühlen. In solchen Momenten kann dir das Ausstreichen auf sanfte Weise helfen, den Druck zu lindern und deinem Körper ein wenig Entlastung zu schenken. Und auch in Situationen, in denen du einfach etwas zusätzliche Muttermilch benötigst, ist das Ausstreichen eine tolle Möglichkeit.
Hebammentipp
Bevor wir dir verraten, wann das Ausstreichen sinnvoll sein kann, ein wirklich wichtiger Hinweis: Das Ziel beim Ausstreichen ist nicht, die Brust komplett zu entleeren. Im Gegenteil: Durch das Ausstreichen stimulierst du die Brust und signalisierst eine größere Nachfrage. Das kann dazu führen, dass die Milchproduktion gesteigert wird. Streiche deshalb immer nur geringe Mengen aus. Eine gute Regel ist, direkt aufzuhören, wenn das Spannungsgefühl nachlässt und die Brust wieder weicher wird.
Eine Ausnahme ist, wenn du die Milchproduktion gezielt ankurbeln möchtest. Das solltest du aber vorher immer mit deiner Hebamme oder einem Arzt/einer Ärztin besprechen.
Bei folgenden Dingen kann dir das Ausstreichen der Brust helfen:
- Muttermilch gewinnen: Zum Beispiel, um sie als Badezusatz oder zur Heilung gereizter Hautstellen bei deinem Baby zu verwenden.
- Kolostrum gewinnen: Um schon vor der Geburt die erste Muttermilch zu sammeln. Wichtig: Kolostrum solltest du immer erst nach Rücksprache mit deiner Hebamme oder einem Arzt/einer Ärztin gewinnen.
- Vor dem Stillen: Besonders, wenn die Brust sehr prall gefüllt ist, kann kurzes Ausstreichen vor dem Stillen sehr sinnvoll sein. Denn dadurch wird der Warzenhof weicher und dein Baby kann leichter trinken.
- Milcheinschuss: Um Schmerzen, Spannungen und das Druckgefühl zu lindern.
- Wunde Brustwarzen: Statt Milch abzupumpen, kannst du deine Brust bei wunden Brustwarzen auch ausstreichen. Das ist etwas schonender und du kannst die gewonnene Milch auf die wunde Brustwarze auftragen, um die Heilung zu fördern.
Hebammentipp
Wunde und gereizte Brustwarzen sind in der Stillzeit leider keine Seltenheit. Falls auch du betroffen bist und zusätzlich zur Muttermilch etwas Unterstützung benötigst, können wir dir unser HALLOHEBAMME Brustwarzen Öl empfehlen. Es unterstützt die Regeneration gereizter, wunder und trockener Brustwarzen in der Stillzeit und pflegt bis in die feinsten Rillen. Und das Beste: Du musst es vor dem nächsten Stillen nicht abwaschen.
- Milchstau: Hier hilft dir das Ausstreichen dabei, die Brust nach dem Stillen weiter zu entleeren und den Druck auch in den Stillpausen zu senken.
- Brustentzündung (Mastitis): Um den Milchfluss zu unterstützen und das Spannungsgefühl zu lindern. Aber Vorsicht: Bei einer Brustentzündung ist die Brust ohnehin schon sehr beansprucht. Streiche deshalb nur sehr sanft und ohne großen Druck aus, damit das Gewebe nicht zusätzlich belastet wird und um eine Überstimulation zu vermeiden.
- Zu wenig Milch: Damit die Milchproduktion angekurbelt wird.
- Milchbläschen: Wenn das Milchbläschen bereits eröffnet ist, kannst du mit dem Ausstreichen die Entleerung des gestauten Milchganges unterstützen.
- Ausfall einer Stillmahlzeit: Zum Beispiel, wenn du unterwegs bist oder sich dein Baby später als gewohnt zu einer Mahlzeit meldet. Dann kann das Ausstreichen helfen, das aufkommende Spannungsgefühl etwas zu reduzieren.
- Stillstreik/Brustverweigerung: Um die Brust zu entleeren, die Milchmenge zu erhöhen und/oder dein Baby mit ein paar Tropfen Milch ‘auf den Geschmack zu bringen’.
- Abstillen: Auch hier kann dir Ausstreichen helfen, die Brust zu entleeren, bis das Spannungsgefühl nachlässt. Außerdem kann es schrittweise die Verringerung der Milchproduktion unterstützen, da die Brust hier im Vergleich zum Stillen etwas weniger stimuliert wird.
Sonderfall: Zu viel Milch
Ausstreichen kann auch bei einem zu großen Angebot an Milch dabei unterstützen, den Druck in der Brust zu lindern. Allerdings ist es in diesem Fall ganz wichtig, direkt zu stoppen, sobald das Druckgefühl nachlässt, um die Milchproduktion nicht noch weiter zu steigern. Was du stattdessen tun kannst, erfährst du in diesem Beitrag.
Ausstreichen: So geht’s
Es gibt verschiedene Techniken, um Muttermilch mit der Hand auszustreichen. Egal für welche du dich entscheidest: Wir empfehlen dir immer, die Brust davor mit einer kurzen Massage vorzubereiten. Das lockert das Gewebe, regt den Milchfluss an und erleichtert somit das Ausstreichen deutlich.
Vorbereitung
- Wasche deine Hände.
- Lege deine Hände oben und unten auf die Brust und massiere sanft mit entgegengesetzten Bewegungen von links nach rechts.
- Lege deine Hände links und rechts auf die Brust und massiere sanft mit entgegengesetzten Bewegungen von oben nach unten.
- Streiche mit 2-3 Fingern vom äußersten Punkt der Brust mit leichtem Druck nach innen zur Brustwarze hin.
- Entdeckst du verhärtete Stellen an der Brust, massierst du diese noch einmal zusätzlich punktuell mit deinem Zeige- und Mittelfinger.
Ausstreichen
- Lege Daumen und Zeigefinger an den Rand des Warzenvorhofs (z.B. oben und unten).
- Bewege deine Finger nach hinten (weg von der Brustwarze) und drücke sie dabei sanft zusammen.
- Führe die Finger, weiterhin leicht zusammengedrückt, wieder nach vorne in Richtung der Brustwarze.
- Wiederhole Schritt 5-7 so lange, bis die Milch beginnt zu fließen.
Hebammentipp
Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht direkt klappt! Der Griff ist gerade zu Beginn gar nicht so einfach und erfordert etwas Übung. Bleib’ deshalb dran und probiere es ruhig weiter. Atme zwischen den Versuchen auch ruhig einmal tief durch und versuche, ganz locker an die Sache heranzugehen. Das kann oft schon einen großen Unterschied machen!
In diesem Video zeigen wir dir noch einmal ganz ausführlich, wie die Brustmassage und das Ausstreichen funktionieren:
Wichtig: Das Ausstreichen sollte nicht wehtun! Übe deshalb immer nur leichten Druck aus.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Es gibt Situationen, in denen du dir beim Ausstreichen Hilfe und Unterstützung holen solltest. Wende dich dazu am besten an deine Hebamme oder einen Arzt/eine Ärztin. Warnsignale dafür können sein:
- Starke Schmerzen
- Die Brust wird gerötet und/oder heiß
- Knoten lösen sich nicht
- plötzlich auftretendes Fieber
- Es fließt trotz Spannungsgefühl kaum Milch
Schäme dich dafür auch bitte nicht! Dass in der Stillzeit Probleme und Herausforderungen auftreten, ist etwas völlig Normales. Genau dafür sind wir da und unterstützen dich gerne.
Wohin mit der Milch?
Du hast ganz verschiedene Möglichkeiten, was du mit der gewonnenen Muttermilch machen kannst:
Direkt verwenden
Muttermilch kann, neben der reinen Ernährung deines Babys, auch für viele weitere tolle Zwecke verwendet werden. Sie ist zum Beispiel eine super Hilfe bei …
- wunden, gereizten oder trockenen Brustwarzen in der Stillzeit.
- wunden, entzündeten oder geröteten Hautstellen/Hautfalten bei deinem Baby.
- einer Nagelbettentzündung deines Babys.
Dafür kannst du sie mit einem sauberen Finger oder einem Wattepad gleich nach dem Ausstreichen auf die betroffene Stelle auftragen.
Hebammentipp
Auch als pflegender Badezusatz bei einem Baby Bad eignet sich die Muttermilch ganz wunderbar. Gib’ die Muttermilch, die du beim Ausstreichen gewinnst, dazu einfach in einen sauberen kleinen Behälter und dann direkt ins Badewasser.
Später verwenden
Möchtest du die gewonnene Muttermilch erst später verfüttern oder verwenden, kannst du sie beim Ausstreichen in einem kleinen, sauberen (und am besten ausgekochten) Gefäß sammeln. Eine Alternative dazu sind spezielle Muttermilchbeutel, die du in der Regel in der Apotheke oder der Drogerie findest. Wie du die Muttermilch dann am besten lagerst, erfährst du in diesem Beitrag ganz ausführlich.
Verwerfen
Hast du nach dem Ausstreichen keine Verwendung für die Milch, kannst du sie einfach mit einem Spucktuch auffangen und dieses im Anschluss waschen. Eine weniger nachhaltige Variante ist es, ein Papiertuch zu verwenden und dieses dann im Hausmüll zu entsorgen. Außerdem kannst du unter der Dusche ausstreichen und die Milch einfach abtropfen lassen.
Hebammentipp
Huch, was ist denn das? Manchmal bleibt nach dem Ausstreichen etwas Muttermilch ungewollt auf der Brust zurück und trocknet ein. Das ist gerade in der Stillzeit keine Seltenheit und auch grundsätzlich überhaupt nichts Schlimmes. Um getrocknete Milch wieder loszuwerden, solltest du aber auf keinen Fall versuchen, sie abzukratzen oder ‘abzuschrubben’. Wasche die Brust stattdessen mit warmem Wasser oder alternativ mit unserer Sanften Reinigung ab.
Ganz egal, aus welchem Grund du deine Brust ausstreichen möchtest: Jetzt weißt du genau, wie es funktioniert und was du bei der Vorbereitung beachten darfst. Das Ausstreichen ist aber nicht die einzige Möglichkeit, Muttermilch selbst aus deiner Brust zu entleeren: Auch Milchpumpen können dabei eine Hilfe sein. Wann du am besten abpumpst, welche Milchpumpe am besten zu dir passt und wie das Abpumpen funktioniert, zeigen wir dir in diesem Beitrag. Viel Spaß beim Lesen!
Weitere nützliche Infos rund um euer Baby
ABOUT

Wir sind Anja & Marie, zwei Hebammen aus Leidenschaft.
In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Hebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit zu spüren. Viele Familien fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.
Daher haben wir uns entschieden, dir bei all deinen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen, damit du alles nachlesen und loswerden kannst, was dich und dein Kind betrifft.
Viel Spaß beim Lesen!
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